Am Schwendisee im Toggenburg steht seit Anfang 2025 ein Gebäude, das sich jeder Kategorisierung entzieht. Das Klanghaus ist weder Konzertsaal noch Musikhaus, sondern eine Art begehbares Instrument. Für seine Gäste wird die akustische und visuelle Wahrnehmung des Raums zu einem vielfältigen sinnlichen Erleben – über die Ohren, die Augen, aber auch haptisch. Holz ist für die Wirkung dieses Gesamtkunstwerks zentral – und zwar in mehrfacher Hinsicht. Es ist Teil der Tragkonstruktion und erfüllt die raumakustischen Anforderungen. Als Oberflächenmaterial prägt es das Äussere in Form der Schindelfassade ebenso wie im Inneren, wo eine warme, resonante Atmosphäre entsteht. Und als gestalterisches Element zeigt sich das Material unter anderem in der ornamentalen Ausbildung der Öffnungen in den beweglichen Flügeln, die den zentralen Raum mit der umgebenden Berglandschaft verbinden. Deshalb und auch aufgrund seiner Entstehungsgeschichte ist das Klanghaus ein einzigartiges Bauvorhaben, für dessen Realisierung das Zusammenspiel von Architektur, Musikwissen und Holzbauexpertise eine notwendige Voraussetzung war.
Zukunftsfähiger Baustoff mit Tradition
Was das Klanghaus ebenfalls zeigt: Der Baustoff Holz verfügt offenbar über Qualitäten, die weit über den funktionalen Einsatz des Materials hinausgehen. Da ist zum einen die haptische Dimension. Holz ist ein Baustoff, den man berühren will. Je nach Bearbeitung ist seine Oberfläche rau, strukturiert oder auch seidig glatt. Diese unmittelbare körperliche Erfahrung ist Teil seiner Identität. Eng damit verbunden ist seine akustische Qualität: Holz klingt, und das buchstäblich. Holz schwingt mit, wenn Töne den Raum füllen, und gibt ihnen eine spezifische Farbe. Kein Wunder, ist Holz der bevorzugte Werkstoff für Musikinstrumente oder Konzertsäle. Holz schafft aber auch eine angenehme Raumatmosphäre – und das nicht nur wegen seiner sensorischen Eigenschaften. Schliesslich besitzt Holz eine baukulturelle Verankerung, die kaum ein anderes Material in dieser Dichte aufweist. Seit Jahrhunderten hat sich in den verschiedensten Regionen der Welt eine eigenständige Handwerkstradition entwickelt – sei es in Japan mit den Holzkonstruktionen ohne sichtbare Verbindungen oder in Norwegen in Form der Stabkirchen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Der heutige Holzbau schreibt diese Geschichte fort, mit zeitgemässen Mitteln und im Bewusstsein, dass diese Traditionen Lösungen für aktuelle Fragestellungen anbieten: Sie stehen für Ressourceneffizienz, klimagerechtes Bauen und Langlebigkeit. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass beim Bauen mit Holz die tragende Holzkonstruktion an sich oft bereits eine gestalterische Dimension entfaltet und zum prägenden Raumelement werden kann.
Das Holztragwerk als gestaltendes Element
Ein besonders gelungenes Beispiel dafür ist das neue Restaurant am Caumasee in Flims. Der Bau ist von viel Wald umgeben und liegt in einer Lichtung am wunderschönen See, der seit den Anfängen des alpinen Sommertourismus im frühen 19. Jahrhundert als Kur- und Badesee dient. Als Ersatz nach einem Brand und angesichts steigender Temperaturen im Alpenraum suchte die Gemeinde Flims mit dem Neubau Alternativen zum Wintertourismus – und entschied sich für eine Antwort aus Holz. Das neue Volumen fügt sich in den Saum des Waldes und hält den Uferbereich bewusst frei. Um den Fussabdruck zu minimieren, wurden die Nutzungen gestapelt: Der vertikale Körper mit dem steilen Giebeldach wird zur ruhenden Form am Waldrand. Das Holztragwerk stammt aus dem nahen Flimser Wald – ein Schritt, der regionale Wertschöpfung und lokale Identität verbindet. Das ausgeklügelte Tragwerk besticht räumlich, aber auch formal. Gäste des Restaurants erleben dies unmittelbar, weil der mächtige Dachraum dieses überspannt. Die Statik ist dabei direkt sicht- und erlebbar. Ebenso bemerkenswert ist die Fassade: Klapp- und schiebbare Holzelemente erlauben eine Anpassung des Baukörpers an den Rhythmus der Jahreszeiten. Im Sommer öffnet sich das Restaurant grosszügig zur Terrasse, im Winter zieht es sich zusammen. Gleichzeitig lässt die dunkel lasierte Fassade den Bau vor dem Hintergrund des Waldes gleichsam verschwinden.
Baden – von Holz umgeben
Im Appenzellerland steht ein weiteres Objekt, das den Baustoff Holz zum Erlebnis werden lässt. Das im Sommer 2023 fertiggestellte Badehaus Rondom ist Teil einer Trilogie von ergänzenden Bauten des Hotels Hof Weissbad: das Restaurant Flickflauder (2004), die Blumenwerkstatt (2016) und eben das Badehaus. Den zweigeschossigen Holzrahmenbau aus Fichtenholz umgibt eine gezackte, gläserne Hülle, die an einen geschliffenen Diamanten erinnert. In der Dämmerung und abends leuchtet der Holzbaukörper und gibt sein Inneres preis – ein faszinierendes Wechselspiel zwischen entmaterialisierter äusserer Haut und den warmen, haptischen Qualitäten des Holzes im Inneren. Erdgeschoss und Obergeschoss sind nach dem Prinzip «Haus im Haus» konzipiert: Raumvolumen enthalten Funktionen wie Treppe, Lift, Bistroküche, Toiletten und Umkleidekabinen und formen so die Aufenthaltsbereiche mit Aussenbezug – ähnlich einem kleinen Dorf auf verschiedenen Ebenen. Im Herzstück der Anlage, dem Obergeschoss, befinden sich die Heusauna, die finnische Sauna und das Dampfbad. Die Saunahäuser haben grosse Fenster mit Blick auf die nahe Landschaft und das ferne Alpsteinmassiv, sind durch ihre erhöhte Lage aber gleichzeitig vor Einblicken geschützt. Die hölzerne Badelandschaft ergänzen Ruheliegen, die eigens für das Badehaus entworfen wurden.
Ideen für den eigenen Holzbau
Was die drei Projekte Klanghaus, Restaurant Caumasee und Badehaus Hof Weissbad verbindet, ist zum einen das Material selbst. Es ist aber auch die Tatsache, dass es hier gelingt, mithilfe des Werkstoffs Holz eine hohe architektonische Qualität zu schaffen – mit je eigenen Mitteln zwar, aber immer mit dem Ziel eines unmittelbaren Raumerlebnisses. Das setzt Sorgfalt, handwerkliches Können und eine Architektur voraus, welche die Eigenschaften des Holzes zum Tragen bringt. Für Bauherrschaften und Hauseigentümerinnen, die mit Holz bauen wollen, können diese drei Projekte eine Inspirationsquelle sein, unabhängig von der konkreten Bauaufgabe. Denn sie zeigen, dass Holz ein Baustoff ist, der seit Jahrhunderten Bestand hat und der heute mehr denn je für zukunftsfähiges Bauen steht.
Der Baustoff Holz verfügt über Qualitäten, die weit über den funktionalen Einsatz des Materials hinausgehen.
Für Besuche vor Ort:
Restaurant Caumasee, Flims
Klanghaus Toggenburg, Unterwasser
Badehaus Hof Weissbad, Weissbad
Mehr zu den einzelnen Projekten finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Holzbulletins 158 / 2026 «Holz erleben».
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Unter Tel. 044 267 47 83 oder hotline@lignum.ch gibt es bei Lignum, Holzwirtschaft Schweiz,
der Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft, von Montag bis Donnerstag jeweils morgens von 8–12 Uhr kostenlos Auskunft zu allen Fragen rund um Holz.








