Die vergangenen Wochen haben einmal mehr eindrücklich gezeigt, wie stark sich geopolitische Ereignisse auf die Öl- und Gaspreise auswirken. Nach Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran sowie dessen Gegenattacken kannten die Marktpreise nur eine Richtung: nach oben. Wer in einem Gebäude mit Öl- oder Gasheizung wohnt, muss dadurch zumindest kurz- und mittelfristig mit deutlich höheren Heizkosten rechnen. Versorgungsengpässe sind in der Schweiz zwar nicht absehbar, bleiben aber aufgrund der Abhängigkeit von Importen ein grundsätzliches Risiko, wenn man fossile Brennstoffe nutzt.
Etabliert und erneuerbar
Die gute Nachricht: Wer die Energieversorgung seiner Immobilie auf ein stabileres, unabhängigeres Fundament stellen will, kann heute aus verschiedenen erneuerbaren Alternativen wählen. Diese Lösungen sind nicht nur gut für die Umwelt, sondern ermöglichen auch eine höhere energetische Autonomie. Im Fokus steht dabei insbesondere die Ausstattung von Dächern und Fassaden sowie anderen Gebäudeteilen mit Solarmodulen. Pionierarbeit ist dafür nicht mehr nötig: Gemäss dem Branchenverband Swissolar gibt es heute bereits rund 350 000 Photovoltaikanlagen. Die Fachleute, welche die Anlagen planen und realisieren, haben also das erforderliche Know-how.
Darüber hinaus sind die Preise für Solarmodule gemäss der Publikation «Photovoltaikmarkt: Preisbeobachtungsstudie 2024» in den vergangenen Jahren so stark gesunken, dass deren Anteil an den Gesamtkosten inzwischen nicht mehr der alles entscheidende Faktor ist. Stattdessen sind auch die Kosten für das Montagesystem und den Wechselrichter sowie für die Planungs- und Installationsfachleute zu berücksichtigen. Im Gegensatz zu den Kosten für die Module sind diese Aufwände jedoch weniger stark von der Grösse der Anlage abhängig. Das bedeutet, dass die Kosten pro verbautem Kilowatt Leistung bei grösseren Anlagen tiefer sind als bei kleineren Anlagen.
Fläche voll ausnutzen
Im Umkehrschluss heisst das auch: Für Eigentümerschaften kann es sich lohnen, die verfügbare Dachfläche möglichst vollständig zu nutzen. Die Planung der Solaranlage wird dadurch nicht viel teurer, das Gerüst für die Montage kostet nur unwesentlich mehr und der Wechselrichter ebenfalls. Dafür generiert die Anlage mehr Solarstrom, als wenn man das Dachpotenzial nicht ausnutzt. Das ist vor allem in den Morgen- und Abendstunden sowie im Winter vorteilhaft, weil man so den Netzbezug weiter senken kann.
Eigenverbrauch steigern
Wer die Wirtschaftlichkeit steigern will, sollte zudem auf einen hohen Eigenverbrauch achten – je mehr Solarstrom man selbst verbraucht, desto rentabler wird die Solaranlage. Damit dies gelingt, braucht es ein intelligentes Energiemanagementsystem (EMS). Es koordiniert verschiedene Verbraucher wie die Haushaltsgeräte, die Wärmepumpe oder auch die Ladestation des Elektroautos so, dass sie möglichst dann mit Solarstrom versorgt werden, wenn dieser effektiv erzeugt wird. Und auch wer heute noch nicht mit einer Wärmepumpe heizt und kein E-Auto fährt: Eine Solaranlage hat eine Lebensdauer von mindestens 25 Jahren. Die Chance ist deshalb gross, dass während dieser Zeit ein erneuerbares Heizsystem installiert wird und ein Elektro-Auto dazukommt. Mit einer ausreichend grossen Solaranlage ist man dafür bestens vorbereitet.
Weiter steigern lässt sich der Eigenverbrauch, wenn ein stationärer Batteriespeicher integriert wird. Er kann Solarstrom aufnehmen, wenn die Verbraucher bereits versorgt oder nicht verfügbar sind, und ihn wieder zur Verfügung stellen, wenn die Sonne nicht mehr scheint. So muss man weniger Strom zu oft nicht sonderlich lukrativen Konditionen einspeisen und auch weniger Strom zu höheren Kosten aus dem Netz beziehen. Wie die Preise für Solarmodule sind auch jene für Batteriespeicher in den letzten Jahren stark gesunken. Eine Anschaffung lohnt sich deshalb in vielen Fällen.
Beitrag an Versorgungssicherheit
Wer an und auf seinem Haus viel Strom erzeugt und vor Ort möglichst viel davon selbst verbraucht, profitiert nicht nur individuell, sondern leistet auch einen wertvollen Beitrag für die hiesige Energieversorgung. Eine aktuelle Studie des Schweizer Forschungskonsortiums «Pathfndr» unter der Leitung der ETH Zürich zeigt, dass die Kombination von Photovoltaikanlagen mit Wärmepumpen und Elektroautos das Energiesystem der Schweiz stabilisieren kann. Werden diese grossen Verbraucher nämlich flexibel gesteuert, lässt sich bis zu vier Prozent mehr Solarstrom nutzen. Zudem reduzieren sich so die Stromimporte um ungefähr 20 Prozent, und der teure Ausbau des Stromnetzes kann zumindest teilweise vermieden werden.
Die Solarstromproduktion mit hohem Eigenverbrauch bei Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie Gewerbegebäuden stärkt also in der Summe die Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit der Schweiz. Die Eigentümerschaften profitieren aber auch selbst davon, wenn sie ihr Dach und allenfalls die Fassade optimal ausnutzen. Sie können mit langfristig tieferen Stromkosten rechnen und sind weniger abhängig von unberechenbaren Marktpreisen. Und: Investitionen in die Stromproduktion steigern den Wert der Immobilie. Gemäss einer Studie von Wüest Partner erhöht die Kombination von Photovoltaikanlage und Wärmepumpe den Wert eines Gebäudes durchschnittlich um 4,6 Prozent. Bei einem Einfamilienhaus mit einem Marktwert von rund 1,5 Millionen Franken kompensiert der Wertzuwachs damit bereits einen grossen Teil der Investitionskosten.
Kosten und Nutzen einer Solaranlage berechnen
Wer prüfen will, wie gross das Solarpotenzial seines Eigenheims ist, kann dies mit dem Solarrechner von EnergieSchweiz herausfinden. Gibt man die Adresse des Gebäudes ein und macht weitere Angaben zum Verbraucherprofil, erhält man detaillierte Angaben dazu, wie viel Strom und eventuell Wärme (Solarthermie) produziert werden könnten. Zudem zeigt der Rechner Kosten, Förderungen, Eigenverbrauchsanteil und Amortisationsdauer des Projekts.





