Reisereportage

«Saudi-Arabien befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel»

Im November 2026 findet eine HEV-Exklusivreise nach Saudi-Arabien statt. Der erfahrene Reiseleiter Steffen Kirchner wird die HEV-Reisegruppe begleiten und gibt bereits jetzt spannende Einblicke in die noch junge Touristendestination.

Der Schweizerische Hauseigentümer:Steffen Kirchner, Sie haben Saudi-Arabien schon mehrfach bereist – was macht das Land so besonders?

Steffen Kirchner: Saudi-Arabien ist auf den touristischen Landkarten noch immer weitgehend unbekannt. Dabei blickt das Land auf eine lange und wechselvolle Geschichte an den Kreuzungspunkten bedeutender Handelsstrassen und Völkerbewegungen zurück. Davon zeugen zahlreiche herausragende Kulturdenkmäler. Auch landschaftlich ist Saudi-Arabien extrem vielfältig, und die verschiedenen Stammesverbände haben über Jahrhunderte eigenständige kulturelle Entwicklungen hervorgebracht.

Als Hüter der heiligsten Stätten des Islam war das Land bis vor Kurzem stark abgeschottet. Diese Isolation erzeugte eine geheimnisvolle Aura, die bis heute spürbar ist. Gleichzeitig ist Saudi-Arabien inzwischen offen dafür, entdeckt zu werden. Jede Reise eröffnet unerwartete Einblicke in Geschichte, Alltag und den festen Willen der Bevölkerung, die Transformation in eine moderne Zukunft aktiv zu gestalten. Trotz rasant ausgebauter Infrastruktur ist viel Ursprünglichkeit erhalten geblieben – ein seltenes Gleichgewicht.

Bis vor wenigen Jahren war es kaum möglich, das Land zu bereisen. Wie hat sich Saudi-Arabien touristisch geöffnet?

Touristische Reisen waren lange Zeit nur mit aufwendigen Ausnahmegenehmigungen möglich. Das hat sich grundlegend geändert. Heute kann ein Touristenvisum online innerhalb weniger Minuten beantragt werden, auch ein «Visa on Arrival» ist möglich.

Das Land verfügt über ein dichtes Netz moderner Highways, ein neues Schnellzugnetz und 27 Flughäfen mit reger Inlandsflugtaktung. Internationale Hotelgruppen haben landesweit Resorts und Hotels eröffnet und erfüllen zunehmend die Erwartungen eines internationalen Publikums.

Saudi-Arabien tritt heute als Gastgeber grosser internationaler Events auf. Hat sich damit auch die religiöse Ausrichtung gelockert?

Die Staatsreligion bleibt der wahhabitische Islam, daran wird nicht gerüttelt. Gleichzeitig wurden im öffentlichen Leben zahlreiche Regeln gelockert. Frauen tragen nicht mehr überwiegend die Abaya, die Religionspolizei wurde stark eingeschränkt und soziale Freiheiten haben deutlich zugenommen. Es gibt kein Gesetz, das Frauen zum Tragen eines Kopftuchs verpflichtet. Wichtig bleibt jedoch der Respekt gegenüber Kultur und Religion. Saudi-Arabien befindet sich in einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Als Gäste dürfen wir daran teilhaben, sollten uns aber nicht anmassen, diesen aktiv mit-gestalten zu wollen.

Welche kulturellen Highlights darf man nicht verpassen?

Saudi-Arabien bietet eine aussergewöhnliche Vielfalt. Besonders eindrücklich ist die Region Al-Ula mit Madain Salih (Hegra), dem bedeutendsten archäologischen Zeugnis der Nabatäer. Dort befindet sich auch das spektakuläre, verspiegelte Maraya-Gebäude. Jeddah als historische Handelsstadt ist ebenso ein Muss wie die Route von Riad über Hail und Jubbah mit ihren Felsbildern. Riad und Dammam beeindrucken mit moderner Architektur, die Datteloase Hofuf wirkt wie ein grüner Ruhepol. Wüstenliebhaber kommen in der Rub al-Chali oder der Nafud-Wüste auf ihre Kosten, Trekkingfreunde in den Vulkanlandschaften nördlich von Medina. Auch das Tauchen am Roten Meer ist hervorragend ausgebaut. Vieles lässt sich kombinieren, etwa im Rahmen geführter Rundreisen.

Es wird sogar über einen eingeschränkten Alkoholausschank gesprochen?

Der Ausschank und Konsum von Alkohol sind derzeit verboten. Ab 2026 plant das Königreich jedoch, an lizenzierten Orten wie Hotels Getränke mit bis zu 20 Prozent Alkoholgehalt zuzulassen. Dies ist Teil der «Saudi Vision 2030» und soll den internationalen Tourismus fördern.

Welche Vorurteile über Saudi-Arabien möchten Sie ausräumen?

Saudi-Arabien ist kein homogener Staat, sondern besteht aus vielen Regionen mit grosser Eigenständigkeit. Regeln werden lokal oft unterschiedlich ausgelegt. Schon 2017 konnte man in Nordregionen Frauen allein Auto fahren sehen – mit dem Hinweis: «Wir sind hier nicht in Riad.» Frauen reichen durchaus Scheidungen ein, die Gesundheitsversorgung ist sehr gut, und junge Menschen werden stark gefördert, auch durch Auslandsstudien. Gleichzeitig entstehen hochmoderne Universitätsstädte. Das Land ist anders, aber keineswegs rückständig – in vielen Bereichen überraschend nah an uns.

Wie erleben Sie den Kontakt mit der Bevölkerung?

Der Kontakt ist offen und herzlich. Zwar gibt es in Familien weiterhin klare Trennungen zwischen Frauen- und Männerrunden, doch gerade junge Menschen sprechen Besucher in Malls, Parks oder bei Events schnell an. Gespräche bei Kaffee und Süssspeisen ergeben sich spontan. In privaten Begegnungen zeigt sich, wie ähnlich man denkt – Unterschiede liegen oft nur in Nuancen.

Ihr persönliches Highlight?

Im März 2020, kurz vor dem globalen Lockdown, erlebten wir in Riad die Feierlichkeiten zum Internationalen Frauentag. Unsere Reisegruppe wurde spontan in Gespräche, Interviews und Feiern einbezogen. Dieses unerwartete Erlebnis hat viele von uns tief berührt und den Blick auf das Land nachhaltig verändert.

Ebenso eindrücklich war der Besuch im König-Faisal-Zentrum, wo ich eine der ältesten Ausgaben von Tausendundeiner Nacht aus nächster Nähe sehen durfte.

Was sagen Sie Menschen, die noch zögern?

Ich bin mit vielen eigenen Vorurteilen nach Saudi-Arabien gereist – und habe erlebt, wie schnell sie sich auflösten. Das Land hat in nur zehn Jahren eine enorme Entwicklung durchlaufen. Eine junge, gut ausgebildete Bevölkerung schafft den Spagat zwischen Tradition und Moderne und verändert das Bild Saudi-Arabiens grundlegend.

Und kulinarisch?

Die saudi-arabische Küche ist vielfältig und aromatisch. Kardamom, Safran, Zimt, Limetten oder Tamarinde prägen viele Gerichte. Auch Vegetarier und Veganer finden eine grosse Auswahl. Mittags wird üppig gegessen, abends meist einfacher. In Hotels und Restaurants erlebt man eine abwechslungsreiche arabisch-mediterrane Küche – selbstverständlich ohne Schweinefleisch.

Zur Person

Steffen Kirchner ist ausgebildeter Archäologe mit Spezialisierung im Bereich Ägyptologie und Sudanarchäologie. Er ist Experte für Wüsten- / Kultur- und Expeditionstouren. Dabei lässt er seine Begeisterung und sein Wissen über alte Sprachen, Kulturen sowie «Land und Leute» in die Tourenausarbeitung und deren Durchführung mit einfliessen. Seine langjährige Tätigkeit und sein Insiderwissen lassen jede Reise zu einem Erlebnis werden. Als Experte begleitet er Reisegruppen in Ägypten, Saudi-Arabien, im Irak, in Äthiopien, Djibouti und im Sudan.

HEV-Exklusivreise Saudi-Arabien

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