Wie wollen wir im Alter wohnen? Die einen schieben diese Frage weit von sich, bis das Leben für sie entscheidet, andere überlegen sich frühzeitig, wie sie leben möchten, und schliessen sich zu Hausgemeinschaften zusammen oder suchen sich eine altersgerechte Wohnung. Sicher ist, dass der Anteil der betagten und hochbetagten Menschen in der Schweiz weiter zunimmt. Ende 2025 lebten rund 1,81 Millionen Personen ab 65 Jahren in der Schweiz. Damit war diese Altersgruppe erstmals grösser als jene der unter 20-Jährigen; beide machten je rund 20 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung aus.
Altersgerechter Wohnraum gewinnt an Bedeutung
Die 2025 veröffentlichte Studie «Wohnen im Alter» der Hochschule Luzern im Auftrag des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) zeigt, dass viele Seniorinnen und Senioren günstig, zentral und geräumig wohnen, ihre Wohnungen jedoch häufig nicht altersgerecht sind: Über 60 Prozent der Menschen ab 66 Jahren leben in Gebäuden, die erstellt wurden, bevor Standards zur Barrierefreiheit verbreitet waren. Gleichzeitig leben 77 Prozent der älteren Menschen allein oder ausschliesslich mit Personen derselben Altersgruppe, was das Risiko für fehlende Unterstützung im Alltag erhöht.
Trotz sich verändernder Bedürfnisse ist die Wohnmobilität älterer Menschen gering. Im Jahr 2022 änderten lediglich 5,1 Prozent der über 75-Jährigen ihre Wohnverhältnisse, rund die Hälfte dieser Umzüge führte in eine Pflegeeinrichtung. Viele bleiben aufgrund langjähriger, vergleichsweise günstiger Mietverhältnisse, der vertrauten Umgebung und der emotionalen Bindung an ihre Wohnung an ihrem bisherigen Wohnort. Dies unterstreicht die Bedeutung hindernisfreier Wohnungen an gut erschlossenen Standorten sowie unterstützender Dienstleistungen und sozialer Netzwerke, die ein möglichst langes selbstbestimmtes Wohnen ermöglichen.
Vielfältiges Raumerlebnis aussen und innen
Wie ein solches Wohnen im Alter konkret aussehen kann, zeigen vier ganz unterschiedliche Projekte in Holzbauweise. Das Spektrum reicht von einem Wohnhaus mit Pflegewohngruppen über den Ersatzneubau einer Genossenschaft mit Wohnungen für Menschen ab 60 Jahren und ein Mehrgenerationenquartier bis zur Erweiterung eines Einfamilienhauses zu einem Generationenhaus. Das 2023 fertiggestellte Wohnhaus Mettenweg in Stans ersetzt den historischen Vorgängerbau, für dessen Betrieb aufgrund der veralteten Infrastruktur keine Pflegebewilligung mehr erteilt wurde. Heute finden dort in acht Wohngruppen mit insgesamt 48 Zimmern Menschen jeden Alters mit kognitiven, psychischen oder physischen Beeinträchtigungen Unterstützung und Pflege – aber auch ein Stück Heimat, Geborgenheit und Wohnlichkeit. Aufgrund der langen Verweildauer und des eingeschränkten Bewegungsradius der Bewohnenden legt der Entwurf von Bob Gysin Partner neben vielfältigen Aussenräumen Wert auf Diversität im Gebäudeinnern: Ausblicke und Durchblicke, ruhige und belebte Bereiche, Nischen und Treffpunkte bieten unterschiedliche Raumerlebnisse und laden zum Flanieren ein. Durch die Anordnung der Raumkörper um einen Betonkern sind keine Korridore, sondern attraktive Flächen mit gut nutzbaren räumlichen Schwerpunkten entstanden. Diese Zwischenzone mit Verweilmöglichkeiten und geteilten Bädern schafft einen sanften Übergang von den öffentlichen Gemeinschaftsbereichen zum privaten Zuhause. Holz prägt das Äussere und Innere des Hauses und lässt eine warme und vertraute Atmosphäre entstehen.
Alterswohnungen in reinem Holzbau
Am nördlichen Fuss des Hönggerbergs in Zürich haben Fischer Architekten für zwei Baugenossenschaften eine gemeinsame Wohnsiedlung realisiert. Das Gebäude für die Baugenossenschaft Hagenbrünneli wurde im Oktober 2025 fertiggestellt und enthält 48 kompakte Alterswohnungen sowie eine Clusterwohnung. Es richtet sich vorwiegend an die Bewohnerschaft der benachbarten Siedlung Lerchenberg, um durch Wohnungsrochaden die Belegung zu optimieren. Zusätzlich beherbergt es Gewerbenutzungen, ein Café und Räume des Tennisclubs Hönggerberg. Zusammen mit den 77 Wohnungen der Baugenossenschaft Turicum für Familien und Studierende sowie einem Kindergarten und Räumen für die Betreuung von Primarschulkindern entsteht eine durchmischte Siedlung mit ganz unterschiedlichen Angeboten. Die Wohnungen verfügen über Eck angeordnete Wohn- und Esszimmer mit vorspringenden Loggias, die die Ausrichtung zum Freiraum unterstützen. Ein besonderes Augenmerk galt einer umweltverträglichen und ressourcenschonenden Bauweise: Das Gebäude der Baugenossenschaft Hagenbrünneli ist ein reiner Holzbau mit vorgefertigten Holzwandelementen und Vollholzdecken.
Pioniersiedlung für Jung und Alt
Auch die Siedlung Burkwil in Obermeilen von Duplex Architekten, ein Leuchtturmprojekt für gemeinschaftliches Wohnen, setzt auf Holz. Sie ist grossmehrheitlich aus unbehandeltem Massivholz gebaut. Dabei kommen Wände, Decken und Fassaden ohne Leim und Metall aus, was unter anderem für ein ausgeglichenes Raumklima sorgt. In 36 Prozent der Haushalte ist aktuell mindestens eine Person über 60 Jahre alt, rund die Hälfte der 180 Bewohnenden ist 50+. Burkwil ist jedoch keine Alterssiedlung, sondern ein Ort für Generationen: Rund 30 Prozent der Haushalte sind Familien mit insgesamt 42 Kindern, in 16 Prozent wohnen Alleinstehende oder Paare zwischen 18 und 24 Jahren, 19 Prozent sind Leute zwischen 35 und 60 Jahren. So entsteht eine lebendige Mischung aus Jung und Alt. Fast alle Wohnungen sind hindernisfrei und altersgerecht gestaltet. Dazu kommen Angebote, die das Leben in jeder Lebensphase vereinfachen: ein Gesundheitshaus mit Arztpraxen und weiteren therapeutischen Dienstleistungen, ein Standort der Spitex, Aktiv- und Fitnessräume, ein Coiffeurgeschäft, ein kleines Restaurant mit Mittagsmenü, gemeinschaftlich genutzte Atelierräume, ein Laden mit Self-Checkout und zwei Gästezimmer. Eine Siedlungsapp und ein Götti-System für Personen, die die App nicht nutzen wollen, dienen als Anlaufstellen für alles rund ums Leben in der Siedlung. Michel Knecht organisiert als Leiter Siedlungsleben Gemeinschaftsaktivitäten und das Zusammenleben in Burkwil.
Zum Generationenhaus aufgestockt
Das vierte Projekt zeigt, wie sich ein zweigeschossiges Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren mit einem zusätzlichen Geschoss in Holzbauweise zu einem Generationenhaus erweitern lässt. Voraussetzung für die Erweiterung durch Arcollage war die 2022 erfolgte Ortsplanungsrevision, die eine Aufstockung erst möglich machte. Eine Holzbaukonstruktion als Attikageschoss ersetzt das Satteldach und ermöglicht mit der maximalen Ausnützung der Gebäudehöhe den Blick auf die Stadt Bern; die mansardenartige Form sorgt dafür, dass sich die Aufstockung ins Quartier einfügt. Der Materialwechsel zu Holz markiert den Übergang zwischen Alt und Neu. Ein Lift erschliesst alle Wohneinheiten barrierefrei, eine ost- und südseitig angeordnete Aussentreppe führt direkt in den gemeinsamen Garten. Dazu hat jede Wohnung private Aussenbereiche. Das Gebäude mit aktuell zwei Wohnungen für eine Familie und die Grosseltern lässt sich künftig mit wenigen Eingriffen in drei separate Wohneinheiten umnutzen.
Publikationen
Die Bautendokumentation «Holzbulletin» bietet Anregung und Inspiration für das Bauen mit Holz. Zum Thema «Wohnen im Alter» gibt es die Ausgaben 154/2025 «Gesundheitsbauten» und 138/2021 «Wohnen im Alter». Die beiden Publikationen sind kostenpflichtig bei Lignum erhältlich. holzbulletin
Infos zu Holz
Unter Tel. 044 267 47 83 oder hotline@lignum.ch gibt es bei Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, der Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft, von Montag bis Donnerstag jeweils morgens von 8–12 Uhr kostenlos Auskunft zu allen Fragen rund um Holz. lignum.ch













