«Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer», sagte einst Konfuzius. Dabei hat er vermutlich nicht an Katzen gedacht. Dennoch passt dieses Zitat besonders gut zu den geliebten Vierbeinern, denen wir, im Vertrauen darauf, dass sie immer wieder nach Hause kommen, jegliche Freiheit zugestehen.
Diese Freiheit hat ihren Preis, denn draussen lauern viele Gefahren für unsere Lieblinge. Einigen dieser Gefahren kann man vorbeugen. Mit anderen muss man leben lernen und sich einfach jeden Tag freuen, wenn die Katze wieder gesund und munter in der Küche steht und ihr Essen einfordert. Hier ein paar Tipps, um die Sorgen etwas zu reduzieren.
● Futterzeiten: Gewöhnen Sie Ihre Katze an bestimmte Fütterungszeiten. Das funktioniert recht einfach, indem Sie das Füttern möglichst immer zur gleichen Zeit durch ein besonderes Geräusch ankündigen (z. B. einen lauten Pfiff, ein deutliches Rascheln, Klopfen, Scheppern oder anderes Geräusch, das der Katze klar signalisiert, jetzt passiert etwas Gutes). So wird die Katze konditioniert und kommt auch von weither angelaufen.
● Strassenverkehr: Eine der häufigsten Todesursachen bei Katzen liegt im Strassenverkehr. Vor allem junge Katzen werden leider immer wieder Opfer von Fahrzeugen, weil sie die Gefahr nicht richtig einschätzen können und einfach über jede Strasse rennen. Doch selbst erfahrene Katzen können schnell von einem Auto erfasst werden, wenn sie zum Beispiel fliehen müssen oder wenn das Auto mit überhöhter Geschwindigkeit heranrast. Die Haltung von Freigängern an stark befahrenen oder schnellen Strassen ist deshalb grundsätzlich abzulehnen. Die meisten Unfälle passieren in der Dämmerung oder nachts. Es empfiehlt sich darum, den Katzen generell, aber insbesondere Jungtieren bis zwei, drei Jahren, nur tagsüber Freigang zu gewähren. Ist Ihre Katze dennoch auch nachts unterwegs, sollte sie ein Sicherheitshalsband mit Reflektoren tragen, damit sie von Autofahrern besser gesehen wird. Das Risiko eines Unfalles steigt übrigens bei unkastrierten Tieren um ein Vielfaches an, weil sie ein grösseres Revier haben.
● Diebstahl: Katzen können gestohlen werden. Vor allem anhängliche Tiere, die jedem Fremden um die Beine streichen, sind gefährdet. Ein Sicherheitshalsband mit dem Namen der Katze und der Telefonnummer des Halters erhöht die Hemmschwelle beim Täter. Bleibt Ihre Katze länger als üblich fort, sollten Sie umgehend eine Vermisstmeldung bei der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ) aufgeben und – falls die Katze gechippt ist – sie auch bei der ANIS als vermisst melden. Sollte jemand den Chip auf sich umschreiben lassen wollen, fliegt er spätestens dann auf.
● Mähmaschinen / Landwirtschaftsbetriebe: Hohes Gras wirkt anziehend auf viele Katzen. Man kann sich darin wunderbar verstecken und lange und ausgiebig schlafen. Doch Achtung: Irgendwann wird das Gras gemäht. Nicht jede Katze rennt beim Lärm der Landwirtschaftsmaschinen sofort davon. Manche ducken sich und werden so von der Maschine erfasst. Verletzungen durch Mähdrescher und andere Maschinen können verheerende Folgen haben, wobei der Verlust eines Beines noch das geringste Übel ist. Nehmen Sie deshalb mit dem Landwirt Kontakt auf, und bitten Sie ihn, Sie jeweils einen Tag vor dem Mähen zu benachrichtigen, zum Beispiel per SMS. So können Sie Ihrem Vierbeiner während dieser Zeit Hausarrest verordnen. Auf Landwirtschaftsbetrieben lauern leider auch weitere Gefahren: Ein offenes Silo oder eine Jauchegrube sind Orte, aus denen sich Ihre Katze nicht mehr alleine retten kann. Auch hier kann ein freundliches Gespräch mit dem Bauer Wunder wirken.
● Jäger: Wohnen Sie in der Nähe eines Waldes, sind Jäger eine weitere Gefahr für Ihre Katze. Vor allem rote und rotweisse Katzen scheinen besonders gefährdet, denn immer wieder liest man, dass diese mit einem Fuchs verwechselt wurden. Jäger dürfen (leider) unter bestimmten Umständen Katzen, die sich von ihrem Zuhause entfernt haben, erschiessen. Während viele Jäger davon absehen, scheinen manche keine Skrupel beim Schuss auf eine Katze zu verspüren. Auf jeden Fall ist auch hier die Kennzeichnung der Katze durch ein Sicherheitshalsband wichtig, damit der Weidmann hoffentlich vom Schuss absieht.
● Krankheiten: Ungeimpfte und / oder unkastrierte Katzen sind enorm gefährdet, wenn es um die Übertragung von Krankheiten geht. Hier ist die Prävention sehr einfach: Lassen Sie Ihre Freigänger kastrieren und regelmässig impfen.
● Hunde: Nicht alle Hunde mögen Katzen. Und nicht alle Hundehalter handeln verantwortungsvoll und lassen jagende Hunde nicht streunen. Achten Sie darauf, dass Ihre Katze jederzeit zurück ins sichere Zuhause kann (Katzentür) und auch draussen genügend Versteckmöglichkeiten vorhanden sind, damit sich Ihr Vierbeiner vor allfälligen Hundeattacken in Sicherheit bringen kann.
● Kippfenster: Gekippte Fenster sind nicht nur zu Hause eine Gefahr. Neugierige Katzen klettern allzu gern auch in die Wohnung der Nachbarn. Die Verletzungen, die sie sich dabei zufügen können, sind oft tödlich. Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn und bitten Sie sie, Kippfenster zu sichern.
● Schwimmbäder: Nicht nur Kinder, sondern auch Tiere können in ungesicherten Schwimmbädern ertrinken. Teiche und Regentonnen können ebenfalls zur tödlichen Gefahr werden. Glatte Wände oder Steilufer verhindern einen rettenden Ausstieg, und die Tiere ertrinken nach einem langen Todeskampf. Prüfen Sie deshalb, ob es in Ihrer Nachbarschaft solche Gewässer hat, und sprechen Sie mit den Eigentümern. Unterstützen Sie diese gegebenenfalls bei der Sicherung der Gewässer.
● Unwetter: Sind Unwetter zu erwarten, erteilen Sie Ihrer Katze Hausarrest. Die Verletzungsgefahr bei Hagel und Sturmböen ist nicht zu unterschätzen.
● Feuerwerk: Ob zu Silvester oder am 1. August, Feuerwerk verursacht bei den meisten Tieren Panik. Denken Sie daran, dass Feuerwerk nicht nur am Abend des Feiertags abgebrannt wird. Erteilen Sie Ihrer Katze deshalb frühzeitig Hausarrest, und schliessen Sie Fenster und Türen. Achten Sie auf dunkle, ruhige Rückzugsmöglichkeiten. Bleiben Sie möglichst entspannt, Nervosität überträgt sich auf die Katze.
Diese und viele weitere Gefahren lauern draussen auf unsere Katzen. Es ist ein Albtraum für jeden sich sorgenden Halter, wenn sein geliebtes Tier nicht mehr nach Hause kommt. Je schneller man versucht, es zu finden, desto höher sind die Chancen auf Erfolg. Denn der Vierbeiner könnte auf seiner Erkundungstour auch einfach nur irgendwo unbeabsichtigt eingeschlossen worden sein. Hier empfiehlt sich: Flyer aushängen, Nachbarn informieren und umgehend eine Meldung bei der STMZ machen. Es gibt sogar wenige Suchhunde in der Schweiz, die man buchen kann, hierfür braucht es aber eine gute Ausgangsduftquelle. Wer also bereits für den – hoffentlich nie eintretenden – Fall vorbeugen will, packt zum Beispiel regelmässig frisch gekämmte Haare seiner Katze in einen Plastikbeutel und verschliesst diesen gut.
Verantwortungsvolle Tierhalter lassen ihre Katzen chippen. Wird ein Tier verletzt, besteht immer die Chance, dass es von Tierfreunden gefunden und zum Tierarzt gebracht wird. Wenn dieser keinen Halter finden kann und nicht affin für Tierschutz ist, ist die Gefahr gross, dass das Tier wegen mangelnder Kostendeckung leider einfach euthanasiert wird. Hatte das Tier hingegen einen tödlichen Unfall, so besteht wenigstens eine grosse Chance, dass der Halter von der Polizei oder der Tierkadaversammelstelle verständigt wird.
Zugegeben, der Preis der Freiheit kann sehr hoch sein. Dennoch gibt es wohl kaum ein ausgefüllteres Katzenleben, als mit Gras unter den Pfoten und Wind um die Ohren die Welt uneingeschränkt erkunden zu können. Klettern, Mäusefangen und Kabbeleien mit der Nachbarskatze machen das Leben abwechslungsreich, und die Katze ist ausgeglichen. Ein solches Leben ist den Katzen zu gönnen, solange hierbei ein paar Empfehlungen und Sicherheitsvorkehrungen nicht vergessen werden – zum Wohle der Katze und zur Beruhigung des Halters.
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