Biodiversität

Ein Schlaraffenland für Wildbienen

Eine arten- und strukturreiche Gartengestaltung schafft vielfältige Lebensräume und erhöht die Chance für Eigentümer, Wildbienen im eigenen Umfeld zu beobachten und zu fördern.

von Felix Käppeli

Fachredaktor Garten, JardinSuisse

Einen natürlichen Lebensraum nach ökologischen Kriterien zu schaffen, bedeutet nicht zwingend, das bestehende Gartenkonzept auf den Kopf zu stellen. Die Natur schätzt es schon, wenn einzelne Bereiche naturnah umgestaltet werden. Bekanntlich bieten vielfältige Strukturen unterschiedliche Lebensräume für eine Vielzahl von einheimischen Tieren. Ebenfalls ermöglichen artenreiche Gartenbilder eindrückliche Pflanzen- und Tierbeobachtungen, tragen zur Entspannung bei und fördern letztendlich die menschliche Gesundheit.

Gerade naturnahe Gestaltungselemente entsprechen dem Wunsch vieler Gartenbesitzer nach mehr Vielfalt und Lebendigkeit im eigenen Garten. Zum Beispiel vertreiben standortangepasste Blütengehölze und Stauden jede Eintönigkeit und locken unzählige Insekten wie Wildbienen an. Dies gilt übrigens auch für nichteinheimische, aber nah verwandte Pflanzenarten, die für den faunistischen Artenschutz eine Bereicherung sein können.

Immer weniger Wildbienen

Fakt ist, dass es immer weniger Wildbienen gibt. Dabei sind sie wichtige Bestäuber von Kultur- und Wildpflanzen. Ohne die Wildbienen und ihre unermüdliche Bestäubungsarbeit müssten wir auf einen Drittel unserer Lebensmittel verzichten. Ausserdem sind sie sehr wichtig für ein gesundes, ausgeglichenes Ökosystem. Leider ist mehr als die Hälfte der über 600 Schweizer Wildbienenarten bedroht. Sie alle brauchen ein breites und passendes Blütenangebot und entsprechende Nistmöglichkeiten. Doch die intensive Landwirtschaft und die zunehmende Zersiedelung zerstören vielerorts ihren spezifischen Lebensraum.

Die Grundlage für Wildbienen sichern

Mit Ausnahme der Honigbiene werden alle anderen Bienenarten Wildbienen genannt. Die meisten von ihnen produzieren keinen Honig, bilden keinen Staat, stechen nicht und sind somit vollkommen harmlos. Demzufolge sind die meisten Wildbienen Einzelgänger, und jedes Weibchen baut sein eigenes Nest. Mit Ausnahme einiger Furchenbienen und der Hummeln, die ebenfalls zu den Wildbienen gehören.

Um die Wildbienen zu fördern und ihr Überleben zu sichern, ist der Schutz und die Wiederherstellung ihrer vielfältigen Lebensräume bedeutend. Bereits die richtigen Pflanzen in Gefässen auf kleinstem Raum können unterschiedliche Wildbienen anziehen. Balkon-, Terrassen- und Gartenbesitzer haben somit einfache Möglichkeiten, den Fortbestand einheimischer Wildbienen aktiv zu fördern. Entscheidend ist dabei ein reichhaltiges und durchgehendes Blütenangebot in Kombination mit nahegelegenen Kleinstrukturen, da diese die zentrale Lebensgrundlage der Wildbienen bilden. Schliesslich sind viele Wildbienenarten auf das feine Zusammenspiel von spezifischen Blütenpflanzen und passenden Niststrukturen angewiesen.

Höhlenbrüter nutzen Käfergänge im Totholz oder in Pflanzenstängeln von abgestorbenen Stauden, Bodenbrüter offene Stellen im Boden. Sandbienen benötigen dafür lockeren, sandigen Boden. Furchenbienen bevorzugen hingegen lehmigen Gartenboden.

In Bezug auf Nahrungsquellen sollten vorzugsweise einheimische und standortgerechte Pflanzenarten verwendet werden. Wildformen bieten in der Regel ein deutlich höheres Angebot an Nektar und Pollen als viele stark züchterisch veränderte Gartenpflanzen. Denn zwischen den einheimischen Pflanzen und der lokalen Insektenfauna besteht ein ökologisch stabiles Beziehungsgefüge. Jedoch zeigen Forschungsergebnisse an Gehölzen unter anderem auch auf, dass viele Insekten bei der Nahrung nur geringfügig zwischen einheimischen und nicht einheimischen Gehölzen unterscheiden – sofern diese Gehölzarten nah miteinander verwandt sind. Von daher können auch nichtheimische Gehölzarten zum Artenschutz beitragen. In Kombination mit heimischen Arten erweitern sie den Lebensraum und sichern so die Versorgung von Wildbienen über das ganze Jahr.

Lebensräume und Nahrungsquellen

Über die Hälfte der heimischen Wildbienenarten nisten im Boden. Sie bevorzugen dabei sandige Standorte mit einem rasch trocknenden Untergrund. Besonders attraktiv sind sonnige, nur spärlich bewachsene Flächen, auf denen sich eine grosse Vielfalt – darunter auch seltene Arten – ansiedeln können. Ideal ist eine offene Bodenstelle von mindestens 40 × 40 cm und etwa 50 cm Tiefe, gefüllt mit grobem, ungewaschenem Sand (kein Spielsand). Ergänzend fördern auch andere strukturreiche und möglichst ungestörte Elemente die Wildbienenpopulationen: offene Bodenstellen, Totholz, Wurzelbereiche, Laubhaufen, verblühte Pflanzenstängel sowie Trockensteinmauern.

Gemeinsam schaffen sie ein vielseitiges Habitat. Ein zweckmässiges Wildbienenparadies bietet eine grosse Pflanzenvielfalt mit gestaffelten Blütezeiten über die ganze Vegetationsperiode. So bleibt das Nahrungsangebot durchgehend gesichert und Blütenlücken werden vermieden. Besonders geeignet sind offene Blüten, da Wildbienen den Nektar dort leichter erreichen als bei gefüllten Formen. Zudem neigen gefüllte Blüten oft dazu, schneller zu verwelken, was die Verfügbarkeit reduziert.

Gehölze als Nahrungsquelle und Lebensraum sind: Kornelkirsche, Felsenbirnen, Weiden, Wildrosen, Weissdorn, Schwarzdorn, Kreuzdorn, Liguster, Hasel, Schneeball, Pfaffenhütchen, Gemeine Heckenkirsche, Speierling, Schlehe, Schwarzer Holunder, Vogelbeere und Faulbaum, wie auch das breite Sortiment der Obst- und Beerengehölze. Bei Wildbienen auch beliebt sind Kräuter wie Salbei, Rosmarin, Oregano, Thymian, Katzenminze, Melisse, Kamille, Bohnenkraut und Schnittlauch. Auch bei Heil- und Wildkräutern gibt es bewährte Favoriten wie Heil-Ziest, Glänzende Skabiose, Gefleckte Taubnessel, Waldmeister und Ringelblume. Ebenso wichtig sind Stauden und Geophyten.

Besonders wertvolle Beispiele hierfür sind: Frühlingskrokus, Schneeglöckchen, Blaustern, Goldlack, Lungenkraut, Leberblümchen, Steinkraut, Blaukissen, Rainfarn, Wiesen-Schafgarbe, Rundblättrige Glockenblume, Blutweiderich, Günsel, Storchenschnabel, Akelei, Katzenminze, Pfingstrose, Taubnessel, Lobelie, Flockenblume, Ehrenpreis, Fingerhut, Kugeldistel, Mädchenauge, Sonnenhut / Echter Sonnenhut, Prachtkerze, Ysop (Halbstrauch), Sonnenauge, Stauden-Sonnenblumen, Aster, Stockrose, Fetthenne, Sonnenbraut, Lavendel, Herbstanemone, Wiesensalbei, Wiesenmargeriten, Berg-Steinkraut, Wiesen-Flockenblume, Moschus-Malve, Hornklee, Lerchensporn, Blutweiderich und natürlich die unterschiedlichen Wiesenblumenmischungen. Bei den einjährigen Sommerblumen gibt es für die Wildbienen folgende Delikatessen: Ackersenf, Kornblume oder die Acker-Ringelblume.

Mehr Gartentipps von «BienenSchweiz» und «Stiftung für die Bienen»

BienenSchweiz, der Imkerverband der deutschen und rätoromanischen Schweiz, und die Stiftung für die Bienen setzen sich für den Erhalt der Biodiversität ein und engagieren sich vielfältig für Bienen und andere Bestäuber. Wildbienen sind unverzichtbar für unser Ökosystem, aber sie sind bedroht. Helfen Sie mit, ihre Lebensräume zu erhalten und zu erweitern. Tipps für einen bienenfreundlichen Garten finden Sie unter: bienen.ch/gartentipps