Heizungssanierung MFH

Ein Schritt nach dem anderen

Auch bei älteren Mehrfamilienhäusern ist eine etappierte Heizungssanierung möglich. In Zürich-Wollishofen hat eine alte Ölheizung zwei neuen Wärmepumpen Platz gemacht, während die bestehenden Wohnungsboiler noch etwas im Einsatz stehen.

von Michael Staub

Journalist BR, Kriens

Am südlichen Ende von Zürich-Wollishofen, knapp vor der Stadtgrenze, prägen grosse alte Bäume und sattes Grün das Bild. In dieser Ecke des Quartiers hat die Verdichtung noch keinen Einzug gehalten. Zwischen den einzelnen Zeilenbauten liegen grosszügige Rasenflächen – eine Gartenstadt wie aus dem Bilderbuch. Hier, am David-Hess-Weg, steht ein 1950 erbautes Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen. Seit 2023 gehört das Haus der Stiftung PWG zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen der Stadt Zürich. Die Stiftung PWG kauft privaten Eigentümerschaften ihre Liegenschaften ab und führt die bestehenden Mietverhältnisse weiter – notabene ohne Mietzinserhöhung. «Gerade für Eigentümerinnen und Eigentümer, die sich nicht mehr um ihre Liegenschaften kümmern können oder mögen, aber den bestehenden Mieterinnen und Mietern Sorge tragen möchten, ist das eine gute Option», sagt Christoph Aerne. Er arbeitet als Fachperson Energie und Umwelt bei der Stiftung PWG und betreut in dieser Funktion auch die Heizungssanierungen.

Glückstreffer im Untergeschoss

Als erster Schritt wurden die Kellerdecke sowie die Estrichdecke des Kaltdachs gedämmt. Ein wichtiger Punkt, um den Wärmebedarf des Hauses zu reduzieren. Als zweiter Schritt war der Austausch des Wärmeerzeugers nötig. «Der bestehende Ölkessel mit Baujahr 1990 war recht störungsanfällig. Dadurch ist er auf unserer Erneuerungsliste zügig nach oben gerutscht», berichtet Christoph Aerne. Diese Ölheizung lieferte jedoch nur die Raumwärme. Denn das Warmwasser wird seit jeher mit dezentralen Elektroboilern in den Wohnungen erzeugt. Diese Geräte befinden sich noch in einem guten Zustand und wurden deshalb belassen.

Den neuen Wärmeerzeuger evaluierte Micha Kernen, Geschäftsführer und Projektleiter bei der Sprecher Heizungen AG (Zürich). Er schlug drei Varianten vor: «Wir haben auf der einen Seite eine Erdsonden-Wärmepumpe geprüft, auf der anderen Seite eine Kaskade mit zwei Luft-Wasser-Wärmepumpen. Und zwar einmal mit Aussenaufstellung im Garten, und einmal mit Innenaufstellung im Gebäude.» Weil das Gebäude von der Strasse her nur schwer zugänglich ist, wäre eine Erdsondenbohrung mit erheblichem Aufwand und Mehrkosten verbunden gewesen. Die Aussenaufstellung war grundsätzlich möglich, und durch die grosszügige Rasenfläche wären auch keine Schallprobleme zu befürchten gewesen.

Trotzdem gewann am Schluss die Variante «Innenaufstellung». Und zwar wegen eines unerwarteten Glücksfalls. «Normalerweise kämpft man in den Heizungsräumen um jeden Quadratmeter. In diesem Haus gab es aber einen ungewöhnlich grossen und schon lange nicht mehr genutzten Hauswartraum. Der Boden war sogar betoniert und im Lot, wir mussten also keine neuen Fundamente erstellen», berichtet Micha Kernen. Auch bei der Elektroverteilung zeigte sich nach Prüfung durch den Fachmann eine günstige Situation: Die bestehende Hauszuleitung musste nicht verstärkt werden, was die Bauarbeiten weiter vereinfachte. Weil der alte Heizungsraum auf der Ostseite, der neue Heizungsraum hingegen auf der Westseite des Gebäudes liegt, musste die bestehende Wärmeverteilung mit einigen Leitungsmetern ergänzt werden. Ein kleiner baulicher Eingriff war auch für die Luftführung notwendig. Nach einer Prüfung und Freigabe durch den Statiker schnitt der Baumeister insgesamt vier Öffnungen in die Aussenwände. Zwei davon dienen dem Ansaugen, zwei dem Ausblasen der Luft. Die Öffnungen sind mit den üblichen Wetterschutzgittern verkleidet, damit Fremdkörper und Regen draussen bleiben und nicht die Funktion der Wärmepumpen beeinträchtigen. Die Lüftungskanäle wurden von einem Lüftungsspengler millimetergenau aus Stahlblech gefertigt und vor Ort montiert.

Zuverlässige Kaskade

Die zwei Wärmepumpen vom Typ Elco Aerotop S15.2 (Leistung jeweils 17 Kilowatt) sind zu einer Kaskade verbunden. Somit ziehen beide Maschinen an einem Strick und übernehmen abwechslungsweise die Wärmeerzeugung. Das verlängert nicht nur ihre Lebensdauer, sondern ermöglicht auch eine gewisse Redundanz. Anders als beim alten Ölkessel, der entweder funktionierte oder nicht, kann die Kaskade selbst beim Ausfall einer Maschine noch einen guten Teil der Grundlast liefern. «Kaskaden sind heute auch für grössere Liegenschaften absoluter Standard. Die Maschinen funktionieren zuverlässig, sind effizient und bieten genügend hohe Vorlauftemperaturen», sagt Marco Krauer, zuständiger Verkaufsberater bei Elco. Micha Kernen ergänzt: «Bei Sanierungsprojekten haben wir heute nur selten Probleme mit der Leistung oder mit der Technik. Was immer mehr Zeit braucht, sind die Bewilligungen. Häufig werden zusätzliche Unterlagen oder Umgebungspläne verlangt. Wir hoffen, dass diese Auflagen in Zukunft etwas einheitlicher und einfacher gestaltet werden.»

Die Demontage der alten Heizung sowie das Einbringen und Installieren der neuen Komponenten verliefen problemlos. Hilfreich war dafür die überbreite Eingangstür der Liegenschaft – ein weiterer Beweis, dass sich Grosszügigkeit auch einige Generationen später noch auszahlt. Die Mieterinnen und Mieter seien nach der ersten Heizperiode mit dem Komfort sehr zufrieden, berichtet Christoph Aerne. Als nächsten Sanierungsschritt hat die Stiftung PWG den Ersatz der Warmwasseraufbereitung und -verteilung ins Auge gefasst. Spätestens 2033 sollen die bestehenden Wohnungsboiler demontiert und mit einem zentralen System ersetzt werden. Dafür wird der Einbau einer neuen Verrohrung notwendig sein, damit jede Wohnung mit dem neuen Warmwasserspeicher im Keller verbunden werden kann. «Für diesen Speicher haben wir mehr als genug Platz. Und die Wärmepumpen besitzen genügend Leistung, damit sie sowohl Raumwärme wie auch Warmwasser liefern können», sagt Micha Kernen. Die etappenweise Sanierung ist damit auf gutem Kurs. «Manchmal möchte man das ganze Projekt ‹uf ei Chlapf› erledigt haben. Aber es geht häufig auch Schritt für Schritt, und das ganz gut», meint Marco Krauer.

Projektdaten

Objekt: Mehrfamilienhaus mit 6 Wohnungen, Baujahr 1950

 

Alte Heizungslösung

Ölheizung für Raumwärme (Leistung 42 Kilowatt), dezentrale Elektroboiler für Warmwasser.

 

Neue Heizungslösung

Zwei innen aufgestellte Wärmepumpen Elco Aerotop S15.2 für Raumwärme (Leistung 2 x 17 Kilowatt), Pufferspeicher für Wärmepumpe (Volumen 1000 Liter) dezentrale Elektroboiler für Warmwasser.

 

Installation

Sprecher Heizungen AG, Zürich.

 

Beratung

Elcotherm AG, Regionalcenter Winterthur.

Hybride Erneuerungsstrategie

Das Portfolio der Stiftung PWG umfasst gut 200 Liegenschaften. Pro Jahr wird in 10 bis 12 Objekten die Heizung saniert, wie Christoph Aerne berichtet: «Primär ersetzen wir die Ölheizungen, auch weil diese oft schon älteren Datums sind. Viele Gasheizungen in unseren Liegenschaften stammen aus den 2010er-Jahren und funktionieren noch einwandfrei. Wir betreiben diese seit 2024 mit 100 Prozent Biogas. So können wir auf den Rückbau funktionierender Anlagen verzichten und trotzdem unser Netto-Null-Ziel einhalten.» Je nach Verfügbarkeit entscheide man sich für Fernwärme aus dem städtischen Netz oder eben für Wärmepumpen.