Peter Büchel, Architekt von Büchel Neubig und Partner, hat in seiner Karriere bisher rund 20 Minergie-Sanierungen geplant. Von öffentlichen Bauten bis hin zu Einfamilienhäusern hat er alles umgesetzt. «Das sind Kundinnen und Kunden, die energetisch etwas machen und ihre Liegenschaft auf lange Sicht gut instand halten wollen», sagt er über die Einstellung seiner Auftraggebenden, die eine Minergie-Sanierung anstreben.
Jedes Gebäude hat seine eigene Charakteristik. Dazu kommen unterschiedliche Bedürfnisse der Eigentümerschaften sowie die Frage, wie viel Geld man investieren kann und möchte. Entsprechend ist eine energetische Sanierung immer individuell. Von punktuellen Eingriffen wie einem reinen Fensterersatz bis hin zu energetischen Gesamtsanierungen ist fast alles möglich.
Den GEAK nutzen als Beratungsinstrument
Es empfiehlt sich zu Beginn in jedem Fall eine Energieberatung. Gut geeignet ist dafür der GEAK Plus, der in vielen Kantonen gefördert wird. Eine GEAK-Expertin oder ein GEAK-Experte klärt auf strukturierte Art und Weise ab, welche Massnahmen sinnvoll sind und was sie kosten. Inzwischen verfügen mehr als 200 000 Gebäude über einen GEAK.
In einer Energieberatung wird zwischen Massnahmen an der Gebäudehülle und der Gebäudetechnik unterschieden. Bei der Gebäudetechnik steht normalerweise der Heizungsersatz im Vordergrund. Häufig kommen Wärmepumpen zum Einsatz, aber auch Fernwärme und Holzenergie sind mögliche Lösungen.
Doch allein mit einem Wechsel des Heizsystems ist ein Gebäude noch nicht fit für die Zukunft. «Wer zuerst nur an die Heizung denkt, macht eigentlich einen Denkfehler», sagt Peter Büchel. «Als Erstes gilt es, die Dämmung zu beachten und dann den Heizungsersatz. Egal ob eine Gesamtsanierung angestrebt wird oder nicht», so Büchel. «Wenn zuerst der Energiebedarf mit einer Dämmung reduziert wird, braucht es nicht mehr so eine grosse Heizung, weil der Energiebedarf dann bereits kleiner ist.»
Eine Gesamtbetrachtung statt Flickwerk
Wirklich interessant wird es, wenn die Massnahmen an der Gebäudehülle, der Heizungsersatz und die Photovoltaik zusammen gedacht werden. Nicht nur aus energetischer Sicht, sondern vor allem auch für den Komfort. Ein Beispiel: Ein einigermassen gut gedämmtes Haus mit neuen Fenstern, kombiniert mit einer Wärmepumpe und einer PV-Anlage auf dem Dach, kann im Sommer leicht gekühlt werden. Über sogenanntes «Freecooling» wird die Raumtemperatur um zwei bis drei Grad gesenkt. Gerade an heissen Sommertagen steigert dies den Wohnkomfort deutlich. Mit Blick auf zukünftig immer längere und wärmere Sommer lohnt sich diese Investition ziemlich sicher. Schlafen und Arbeiten sind in einem Gebäude ohne Sommerhitze deutlich angenehmer. Stammt der Strom aus der eigenen PV-Anlage, geht die Bilanz auch ökologisch auf.
Qualität einfordern mit dem Minergie-Label
Zurück zur Frage, wie umfassend ein Haus heute saniert werden sollte. Sabine von Stockar, Leiterin Entwicklung bei Minergie, plädiert für eine Gesamtsanierung. «Heute denken viele Leute nur an den Heizungsersatz oder den Fensterersatz. Es wäre aber finanziell und energietechnisch effizienter, das ganze Gebäude zu betrachten – und es nach Minergie zu zertifizieren. Wobei klar ist, dass damit der einen oder anderen Eigentümerschaft der Griff ins Portemonnaie trotz Fördergeldern zu tief wird.»
Pro Jahr werden rund 200 Gebäude nach Minergie saniert, Tendenz steigend. Grund für den positiven Trend ist vor allem der damit verbundene Wohnkomfort. Mit einer Minergie-Sanierung sinkt der Energiebedarf, was bedeutet: Die Nebenkosten sinken. Meist verbessert sich die Energiebilanz um drei bis fünf GEAK-Klassen. Aber im Minergie-Label steckt mehr als Energie und Klimaschutz. Es beinhaltet gleichzeitig hohe Anforderungen an die Raumluftqualität und den Hitzeschutz. Und einen zweistufigen Qualitätssicherungsprozess.
Die Luft wie Lebensmittel behandeln
Dank der eingebauten Lüftung und hohen Anforderungen an den Sonnenschutz sorgt Minergie dafür, dass die Temperaturen auch im Sommer angenehm bleiben. Die Fenster darf man nach Lust und Laune öffnen, zwingend ist es aber nicht. «Die Lüftung führt die verbrauchte Luft kontinuierlich ab und frische Luft zu. Tag und Nacht, lautlos und angenehm temperiert. Je nach Lärmbelastung ist es besonders angenehm, die Fenster nicht zwingend zum Lüften öffnen zu müssen. Mit Hilfe von Filtern bleiben Schadstoffe und Pollen draussen», erklärt Sabine von Stockar. Für Peter Büchel ist es erstaunlich, wie wenig Aufmerksamkeit der guten Luft heute geschenkt wird. «Wir haben das Paradoxon, dass die Leute heute bei den Lebensmitteln sehr darauf achten, was sie essen. Die Luft, die wir ständig konsumieren, wird aber oft vernachlässigt. Dabei ist die Luft, die wir einatmen, oft belastet», sagt Peter Büchel. Minergie verbessere genau das, betont Büchel, der selbst seit 20 Jahren in einem Minergie-Gebäude wohnt.
Der Moment für eine Sanierung ist ideal
Bis 2050 müssen in der Schweiz noch über eine Million Gebäude saniert werden, um die Energiewende zu schaffen und für die Klimaerwärmung gerüstet zu sein. Inzwischen ist die technische Lebensdauer neu installierter Heizungen, Fenster oder Dächer länger als die verbleibende Zeit bis 2050. Der Zeitpunkt für eine Gesamtsanierung ist ideal: Das Gebäudeprogramm garantiert attraktive Fördermittel, und energetische Massnahmen sind steuerlich abzugsfähig. Eine Minergie-Sanierung garantiert den Wert der Liegenschaft auf lange Zeit hinaus.







