Meier meint

Hände weg von den Eigenheimen!

von Markus Meier

Direktor HEV Schweiz

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Es ist keine Neuigkeit, dass die Schweizer Bevölkerung deutlich schneller wächst als das Angebot an Wohnraum in unserem Land. Die Ursachen dafür stecken unter anderem in zu geringer Verdichtung nach innen, zu hoher Regulierungsdichte, zu langwierigen Baubewilligungsverfahren und überzogenen Schutzmechanismen. Darüber gesprochen wird viel, geschehen tut noch immer wenig bis gar nichts.

Die Rettung soll nun bei den Häusern der ins Alter gekommenen Babyboomer gefunden werden. Ausgangspunkt ist eine Studie mit der vielsagenden Bezeichnung «Verdichtung der Schweizer Einfamilienhausquartiere». Die Behörden wollen genau wissen, wie sich aus den Eigenheimquartieren der Babyboomer mehr Wohnraum herausholen lässt. Denn viele dieser Häuser seien mit nur einem oder bestenfalls zwei Bewohnern «unterbelegt». Diese Personen würden in (zu) grossen Häusern auf (zu) grossen Parzellen wohnen. Zudem seien viele der rund 300 000 betroffenen Einfamilienhäuser kaum für selbstständiges Wohnen im Alter geeignet – wegen ihrer Grösse, hoher Unterhaltskosten, energetischen Sanierungsbedarfs, fehlender Barrierefreiheit oder schlechter Anbindung an Einkaufsmöglichkeiten und öffentliche Verkehrsmittel.

Ziel der Studie soll eine «datengetriebene und überregionale Grundlage zur zukunftsgerichteten Transformation von Einfamilienhausquartieren» sein. Das Entwicklungspotenzial dieser Quartiere sei auf nationaler Ebene zu prüfen, insbesondere vor dem Hintergrund der Wohnungsknappheit und der Alterung der Bevölkerung. Damit soll die Studie «konkrete Handlungsoptionen» liefern. Die Ausgangslage böte nämlich eine klare Chance für eine qualitätsvolle und sozialverträgliche Verdichtung. Kurz zusammengefasst: Babyboomer mit ihrem Wohneigentum und Umschwung sollen zum staatlichen Planungsgegenstand und behördlichen Transformationsgut für die amtliche Ausschöpfung eines privaten Entwicklungspotenzials werden.

Und sowas wird gar noch als sozialverträglich gewertet! Nein. Verträglich ist daran rein gar nichts. Im Gegenteil: Da rollen sich mir doch glatt alle Zehennägel nach hinten! Der Staat greift nach dem privaten Eigentum. Dem privaten Eigentum jener Generation, die massgeblich mitaufgebaut hat, wovon heute alle in unserem Land profitieren. Wie lautet Artikel 26 Absatz 1 in unserer Bundesverfassung? Genau: «Das Eigentum ist gewährleistet.» Der Widerstand des HEV gegen solchen staatlichen Übermut ebenso.

«BV Art. 26.1: Das Eigentum ist gewährleistet.»