Wir befinden uns auf circa 800 Meter Höhe über dem Meeresspiegel, am Fusse der Rigi, eines markanten Bergmassivs mit weitem Blick über den Vierwaldstättersee, die Alpen und das Schweizer Mittelland. Für den jungen Gartenplaner Daniel Berg und Gewinner des ersten Preises der Auszeichnung «Gärten des Jahres 2026», steht sofort fest, dass der Garten zu diesem besonderen Ort so selbstverständlich wirken muss, dass nicht zu erkennen ist, was die Natur und was der Mensch gestaltet hat. Er wird den Charakter des Ortes herausarbeiten und in ein Konzept der «geordneten Natur» aufnehmen.
Zwischen Garten und Gestein
Die massiven Formationen aus Nagelfluh, ein poröses Konglomerat, auf dem Gelände begreift Daniel Berg als gestalterisches Potenzial und integriert sie in sein Gestaltungskonzept. So gelingen weiche Übergänge zwischen gebautem Garten und dem anstehenden Gestein. «Wir haben den Garten neu gedacht und zu einem kraftvollen, strukturierten Landschaftsraum umgestaltet. Dazu lesen wir den Ort, erkennen seine Potenziale und Störungen, ordnen Funktionen den Sichtbezügen zu und gestalten mit Präzision, Respekt und Klarheit», erklärt der Planer. Es entsteht ein Garten, der sich völlig in die alpine Umgebung integriert und deren Schönheit unterstreicht, der aber genauso gut ohne diesen Ausblick funktionieren würde. Es ist eine reduzierte Gestaltung, die mit der Topografie verschmilzt und das Panorama nicht stört, sondern rahmt – als Fortsetzung der Landschaft.
Transporte via Luftweg
Nichts lenkt ab vom Ort, der Weite, der Ruhe. Die Reduktion auf das Wesentliche hat nicht nur gestalterische Gründe, denn in dieser Höhe und steilen Lage klappte der Transport der Materialien nur per Helikopter, wobei die Fluglogistik so effizient organisiert wurde, dass kein einziger Leerflug entstand. Selbst die grossen Natursteine mussten via Luftweg angeliefert und gesetzt werden – eine Aufgabe, die viel Erfahrung und Gespür erfordert: «Ich analysierte die Form der Felsblöcke am Boden, bestimmte ihre spätere Lage und grub die Mulden so vor, dass die Steine exakt ins Gelände passten und präzise ausgerichtet gesetzt werden konnten – direkt aus der Luft. So stellte ich einen persönlichen Rekord auf: 30 Tonnen Fels in nur 30 Minuten», berichtet Daniel Berg.
Natursteine gezielt eingesetzt
Die Natursteine aus der Region bieten Struktur, dienen als Stützmauer oder Terrasse, als Pflegewege und Sitzsteine, formen an anderer Stelle einen kleinen Bachlauf mit Wasserfall. «Die Stützmauer aus Bollinger Sandstein Brand schliesst sich fugenlos an den Nagelfluh an, so als wachse sie direkt aus dem Fels. Diese Blöcke fassen ebenso die angrenzende Terrasse ein, die wie eine schwebende Platte wirkt. Regionaler Guber-Naturstein greift das Bild der natürlichen Felswand im Hintergrund auf. Die tonnenschweren Steine schaffen eine physische Beständigkeit, die den Eindruck erweckt, dies sei alles seit jeher der Fall. Der Garten ist zwar klein, bietet aber verschiedene Räume mit eigener Stimmung und schönen Details. Nichts wirkt beliebig, jedes Material, jede Linie ist durchdacht und erfüllt eine Funktion.
Kräftige Pflanzen mit kompaktem Wuchs
Dies gilt ebenso für die Pflanzenverwendung: Eine Flaumeiche (Quercus pubescens) mit kräftigem Stamm und kompaktem Wuchs verankert die Terrasse mit der Stützmauer optisch im Gelände, als wäre sie seit Jahrzehnten dort gewachsen. Zwei Fächer-Ahorne (Acer palmatum) rahmen das Ensemble ein und bilden ein schützendes Blätterdach, das den höher gelegenen Nachbargarten ausblendet. Auf dem freigelegten Nagelfluhfels behauptet sich eine Banks-Kiefer (Pinus banksiana), als hätte sie sich dort einst angesiedelt. Unumschränkter Blickfang ist jedoch der circa 50 Jahre alte Fächer-Ahorn (Acer palmatum ‹Beni Shidare›) am Bachlauf mit seinem markant knorrigen Wuchs, der von jeder Ecke des Gartens sichtbar ist.
Auch Sedum und Mauerfarne in Fugen und Steinritzen erwecken den Eindruck, der Garten sei längst Teil der umgebenden Natur. Bis ins kleinste Detail wirkt alles natürlich und selbstverständlich. «Patina legt sich über jede Fläche. Die dicken Baumstämme erzählen von Alter und Ruhe. Ein rundgeschliffenes Holzstück treibt im Wasser, wie beiläufig, aber genau platziert. Die Vergänglichkeit ist Teil des Konzepts. Die Spuren der Zeit sind nicht beseitigt – sie sind inszeniert. Das macht den Garten glaubwürdig. Und lebendig. Viele glauben, die Natur hätte den Garten gestaltet. Das war mein Ziel, und genau das ist gelungen», resümiert Daniel Berg. Wer möchte ihm da widersprechen?
«Wie der Fels den Garten trägt, so trägt der Garten den Blick – vom kleinsten Detail bis zur Unendlichkeit der Berge.»
Info zu «Gärten des Jahres»
«Gärten des Jahres» ist der bedeutendste Award für Gartengestaltung im deutschsprachigen Raum. Die Auswahl zeigt eine beeindruckende Bandbreite an privaten Gartenwelten – von puristischen Rückzugsorten über opulente Blütenparadiese bis hin zu raffiniert gestalteten Stadtoasen. Jedes der 50 Gartenporträts wird durch detaillierte Angaben zu Besonderheiten des Grundstücks, zum Konzept und zu den Ideen der Planerinnen und Planer ergänzt. So entsteht ein unvergleichliches Kompendium der aktuellen Gartengestaltung. Gärten des Jahres 2026 ist ein unverzichtbares Werk für alle, die von einer eigenen grünen Oase träumen – und für alle, die sich von der Kreativität und Leidenschaft führender Gartenplanerinnen und -planer inspirieren lassen möchten.
«Gärten des Jahres» von Susanne Wiborg & Konstanze Neubauer.
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