Gebäudehüllensanierung

Der Teufel steckt im Detail

In der energetischen Optimierung der Gebäudehülle liegt ein grosses, wenn auch vergleichsweise kostenintensives Energiesparpotenzial. Die Wirtschaftlichkeit der Massnahmen sowie der System- und Produktewahl ist stark objektabhängig. 

von Stefan Aeschi

Dipl. Architekt ETH/SIA, DAS Wirtschaft FH, Experte Bau- und Energietechnik beim HEV Schweiz

Mit einer guten Dämmung sämtlicher Fassaden kann je nach energetischem Zustand der bestehenden Gebäudehülle 10 bis 20 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs eingespart werden. Gebäude, die vor 1980 erstellt wurden, weisen oft nur eine geringe oder gar keine Wärmedämmschicht auf.

Solche Backsteinmauerwerke oder Zweischalenmauerwerke mit einem Luftzwischenraum weisen U-Werte von 0,8 und 1,2 Watt pro Quadratmeter und Kelvin aus, während Aussenwände von Neubauten einen U-Wert von 0,17 W / m²K, idealerweise sogar 0,15 W / m²K aufweisen.

Der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) ist das wichtigste Mass für die Wärmedämmung im Bauwesen.

Er gibt an, wie viel Wärmeenergie in Watt durch 1 Quadratmeter eines Bauteils entweicht, wenn der Temperaturunterschied zwischen innen und aussen 1 Kelvin respektive 1 °C beträgt.

Detailarbeit ist angesagt

Die richtige Produktwahl allein ist aber noch kein Garant für eine energieeffiziente Gebäudesanierung.

Ein ungenügender Wärmeschutz, vorhandene Wärmebrücken und ungenügende Luftzirkulation in Innenräumen führen häufig an der inneren, kalten Oberfläche der Aussenwand zu Oberflächenkondensat, was zu Schimmelpilzbildung führen kann.

Liegt diese innere Oberflächentemperatur weit unter der Raumtemperatur, wird zudem die Behaglichkeit spürbar negativ beeinflusst.

Aufgrund der Lebensdauer der Bauteile unterliegt eine Fassadenoberfläche nach 30 Jahren dem ersten Sanierungszyklus, wobei die Fassade mindestens durch einen Anstrich, einen neuen Verputz oder eine neue Verkleidung erneuert werden sollte.

Für diese Arbeiten wird ein Fassadengerüst benötigt, darum liegt es auf der Hand, das Gerüst auch optimal zu nutzen und die Möglichkeit sowie den Nutzen einer energetischen Optimierung der Fassade zu prüfen.

Bei einer vorgehängten, hinterlüfteten Fassadenkonstruktion lohnt es sich, neben der Frage nach der Dämmstärke und dem Dämmmaterial auch zu überlegen, ob und in welchem Umfang PV-Fassadenelemente zur Eigenstromproduktion sinnvoll sein könnten.

Meist wird, bauphysikalisch bedingt, die neue oder zusätzliche Isolation als verputzte Kompaktfassadendämmung direkt aussen auf die Aussenwände aufgebracht.

Dabei gilt es, auch bei Bestandesbauten Wärmebrücken, also Unterbrüche in der Wärmedämmschicht durch Balkone, Fenster- und Dachanschlüsse, möglichst zu vermeiden.

Bei einem gleichzeitigen Fensterersatz können die Fenster zudem in die Dämmebene gesetzt werden, sodass der Dämmperimeter nicht unterbrochen wird. Sofern konstruktiv sauber ausgeführt, lässt sich nicht generell sagen, welche Fassadendämmung die richtige ist.

Die Wahl des geeigneten Dämmsystems hängt neben ästhetischen Präferenzen der Hauseigentümer vor allem von konstruktiven und den finanziellen Möglichkeiten ab. Die Investitionskosten einer Fassadendämmung setzen sich zusammen aus:

dem Dämmsystem (Innenisolation, Kerndämmung bei zweischaligen Aussenwandkonstruktionen, Aussenisolation),

dem Dämmmaterial an sich, dem Aufwand für Planung und Montage (Arbeitszeit und Baustelleninstallation wie Baugerüst, Lastkran oder Mulden),

den Vorarbeiten (z . B. Abschlagen des alten Putzes, Abkleben von Fenstern),

dem Zuschnitt und der Befestigung der Dämmplatten, mitsamt den Detailarbeiten an Fensterlaibungen und Dachüberständen,

den Kosten für weitere Materialien wie Armierungsgewebe, Putz und den Entsorgungskosten für rückgebautes Material.

Das Dämmmaterial an sich ist meist nicht der Kostentreiber.

Innendämmungen

Innendämmungen werden in der Regel dann verbaut, wenn keine Aussendämmungen möglich sind, wie beispielsweise bei Denkmal- und Heimatschutzobjekten sowie in Ortsbildschutzzonen.

Durch die nötige Dämmstärke geht dabei wertvoller Wohnraum verloren. Bei nicht sorgfältiger Ausführung besteht zudem die Gefahr von Kondensatbildung, was langfristig zu Bauschäden führt.

In geheizten Räumen diffundiert in der Raumluft enthaltener Wasserdampf durch die Aussenwand ins Freie. Trifft dieser auf eine kältere Schicht, führt die Abkühlung zu Kondenswasserbildung zwischen dem Dämmstoff und der Wand, was die Schimmelbildung fördert.

Es empfiehlt sich deshalb, bei Innendämmungen einen erfahrenen Bauphysiker beizuziehen, der den Feuchteverlauf und die Taupunkte exakt berechnet sowie den Aufbau der Innendämmung mit Dampfbremse raumspezifisch bestimmt.

Innendämmungen können je nach Anforderungen in Mineral- oder Steinwolle, in Polystyrol, Polyurethan, Kalziumsilikat, Aerogel oder biologischen Dämmmaterialien wie Schurwolle oder hochwärmedämmenden Vakuumisolier-Verbundplatten ausgeführt werden.

Aussendämmung

Aussendämmungen sind energetisch dann am wirksamsten, wenn möglichst grosse, zusammenhängende Flächen gedämmt werden müssen. Bei kleineren dämmbaren Aussenflächen steigen die flächenbezogenen Kosten schneller.

Je nach Architektur ist strukturbedingt und durch einen hohen Öffnungsgrad (Fensteranteil) eine Aussendämmung aus rein ökonomischer Sicht nicht immer die wirtschaftlichste und energetischste Massnahme.

Aus wirtschaftlicher Sicht lohnt es sich, eine effizientere Alternative zu prüfen. Eine Dachdämmung in Kombination mit einer neuen effizienten Heizung beispielsweise kann gegenüber einer komplett ertüchtigten Gebäudehülle demnach die wirtschaftlichere Alternative sein.

Kompaktfassade oder vorgehängte, hinterlüftete Fassade

Eine Kompaktfassade ist ein Wärmedämmverbundsystem, eine kompakte Konstruktion, bei der die Dämmplatten direkt mit einem speziellen Zementkleber auf die Aussenwand geklebt, mit einem Schienensystem angebracht und / oder gedübelt werden.

Anschliessend werden die Dämmplatten von aussen als Deckschicht verputzt. Das Erscheinungsbild eines Gebäudes mit Aussenputz kann so auch durch eine energetische Sanierung erhalten bleiben.

Kompaktfassaden eignen sich aus statischer Sicht und aufgrund der von PV-Anlagen benötigten Hinterlüftung aber nicht für PV-Fassadenelemente.

Bei einer vorgehängten, hinterlüfteten Fassade besteht zwischen Dämmung und dem wählbaren Verkleidungsmaterial ein Belüftungsraum.

Durch diese natürliche Hinterlüftung trocknet selbst feucht gewordene Isolation rasch ab.

Auf dem Mauerwerk wird eine Tragkonstruktion (Lattung) montiert und dazwischen die Wärmedämmung angebracht. Vorgehängte, hinterlüftete Fassaden brauchen technisch bedingt zwar einen tieferen Konstruktionsaufbau, sind dafür aber von hoher Qualität und Flexibilität sowie je nach Fassadenverkleidung sehr langlebig.

Durch die voneinander trennbaren Schichten sind «Vorhangfassaden» unkompliziert im Unterhalt und am Ende ihres Lebenszyklus mühelos und sauber rückbaubar.

Photovoltaikelemente zur Eigenstromversorgung eignen sich sehr gut als vorgehängte Fassadenverkleidung oder als Teil davon.

Entscheidende Details und Kompromisse bei Fassadensanierungen

Im Gegensatz zu Neubauten kann eine nachträgliche Isolationsschicht bei Sanierungen nicht immer optimal und ohne Unterbrüche ausgeführt werden.

Der Anteil an Wärmebrücken bei einer nachträglich wärmegedämmten Aussenwand ist konstruktionsbedingt meist gross.

Generell sind Übergänge wie Fensteranschlüsse (Laibung, Brüstung, Rollladenkasten), Fassadenübergänge zum Dach und zur Kellerdecke / Boden sowie Kragplattenanschlüsse bei Balkonen prädestiniert für diese lokalen Energieverluste.

Bei der energetischen Sanierung von Altbauten sind entsprechend saubere Konstruktionsdetails nicht immer ganz einfach zu lösen.

Bestehende, betonierte Balkonplatten werden aus wärmetechnischer Sicht am besten statisch abgetrennt und vor einer durchlaufenden Fassadenwärmedämmung als eigenständige Balkonkonstruktion neu aufgebaut.

Der entstehende Zusatzaufwand bietet dafür meist die Chance zur Optimierung der Balkonfläche.

Details für Planung / Ausführung:

Anschluss an die Fenster (Laibung, Fensterbank, -sturz, Rollladen- / Storenkasten)

Anschluss an das Terrain / Untergeschoss (Sockeldetail)

Anschluss ans Dach / Traufdetail

 

Aufbau Kompaktfassade / WDVS (Wärmedämmverbundsystem)

Mineralwolle oder Polystyrol werden als Dämmplatten aussen auf das Mauerwerk geklebt und gedübelt

Konstruktionsaufbau je nach Dämmstärke (> 16 cm)

Dämmung wird verputzt (2 cm)

Lebensdauer Mineralwolle 30 Jahre, Polystyrol 25 Jahre

Erhalt des Erscheinungsbildes möglich

Nicht geeignet für PV-Fassadenelemente

Aufbau vorgehängte, hinterlüftete Fassade

Tragkonstruktion aus Metall oder Holz auf Aussenwand befestigt, dazwischen Dämmung aus Stein-, Glaswolle oder Zellulosefasern

3 bis 5 cm Hinterlüftung zwischen Dämmung und Fassadenverkleidung

Konstruktionsaufbau: je nach Dämmstärke zusätzlich 3 bis 5 cm Hinterlüftung und Verkleidungsstärke

Lebensdauer 40 Jahre

Verkleidungsmaterial nach Wahl, auch PV-Elemente möglich

Änderung des architektonischen Erscheinungsbilds