Garten und Terrasse

Rasen im Stress

Der Hitzesommer 2026 hat auch in unseren Gärten tiefe Spuren hinterlassen. Ab Mitte August beginnt klassischerweise die Zeit für die Rasenrenovation oder Neusaat. Was gilt es dabei zu beachten?

von Judith Supper

Journalistin

Braunes und Vertrocknetes prägen derzeit viele Rasenflächen – Hitze und Trockenheit haben auch in den hiesigen Gärten deutliche Spuren hinterlassen. Wer im kommenden Jahr wieder auf eine grüne Fläche blicken möchte, muss jetzt aktiv werden. Grundsätzlich wird für die Rasenrenovation bzw. Neuanlage die Zeit von Mitte August bis Mitte September empfohlen – gilt das auch im Hitzerekordjahr 2026? «Ja. Entscheidend ist aber, wann endlich genügend Regen fällt, um den Boden tiefgründig zu durchfeuchten», sagt Martin Joost, Fachberater Rasen und Begrünung bei UFA-Samen. UFA-Samen ist als Teil der Fenaco Genossenschaft einer der führenden Hersteller von Saatgut in der Schweiz. «Dafür braucht es einen leichten, anhaltenden Landregen über mehrere Tage.»

Erste Massnahme: den Boden prüfen

Wenn genug Regen fällt und braune Rasenflächen wieder ergrünen, rät der Fachmann zu Vorsicht. «Das sind grösstenteils aus Samen gekeimte Pflanzen vom jährigen Rispengras (Poa annua), von der Gemeinen Rispe (Poa trivialis) oder dem Straussgras (Agrostis stolonifera). Dies sind Flachwurzler, die im nächsten Jahr wieder dieselben Probleme bereiten werden, also bei Hitze und Trockenheit rasch verbrennen. Von den erwünschten Rasengräsern wie Englischem Raigras (Lolium perenne) oder der Wiesenrispe (Poa pratensis) hingegen wird in diesem Hitzesommer nur eine geringe Anzahl überlebt haben.» Wer längerfristig Freude an seiner Rasenfläche haben will, sollte sie daher in Teilen renovieren – oder komplett neu anlegen.

Bevor es losgeht, empfiehlt Joost eine einfache Spatenprobe. Damit lassen sich Verdichtungen, Rasenfilz und Wurzeltiefe beurteilen. Dazu wird mit dem Spaten ein etwa 20 cm tiefes Loch gegraben. Ist die Filzschicht höher als 1 cm, empfiehlt Joost eine Neuanlage. Bei der Spatenprobe zeigt sich auch, wie gut der Boden Wasser speichern kann und ob sich Bodenverbesserer anbieten. Dazu zählt beispielsweise Perlit. Perlit ist ein natürlich vorkommendes, vulkanisches Gesteinsglas mit sehr poröser Oberfläche. Es erhöht den Luftanteil im Substrat, verbessert die Drainage, was Staunässe verhindert, und kann Wasser speichern. Materialien wie Perlit können künftig dazu beitragen, das Wassermanagement von Rasenflächen zu verbessern und sie widerstandsfähiger gegenüber Trockenperioden zu machen.

Für die Renovierung: Vertikutieren

Wo nur Teile des Rasens verbrannt sind, kann eine Teil-Renovierung Erfolg haben. Dazu wird der Bereich zunächst vertikutiert, dann aerifiziert. Ein Vertikutierer ist eine Maschine, die mit senkrecht rotierenden Messern die Grasnarbe wenige Millimeter tief einritzt. Dabei entfernt sie abgestorbene Halme, Wurzeln und anderes organisches Material – den sogenannten Rasenfilz. Auch Moos wird herausgearbeitet und die Bodenoberfläche leicht geöffnet. Das Ziel ist, dass wieder mehr Wasser, Nährstoffe und vor allem die Nachsaat besser in den Boden kommen. Gleichzeitig wird die Verzweigung der Gräser im Boden angeregt. Auf sehr kleinen Flächen kann die Arbeit auch mit einem Vertikutierrechen erledigt werden. Das herausgearbeitete Material muss man sauber entfernen und zum Beispiel kompostieren.

Verdichtungen lösen und Unebenheiten ausgleichen

Ist der Boden stark beansprucht und verdichtet, sollte zudem ein Aerifizierer zum Einsatz kommen. «Mit Hohlzinken-Aerfizierern, sogenannten Hohlspoons, kann man die Verdichtung teilweise lösen und einen kleinen Teil des Filzes abführen. Dies schafft zusätzlichen Platz für die Nachsaat», erklärt Joost. In der Regel werden mit dem Hand-Aerifizierer pro Durchgang bis zu 100 Erdzapfen pro Quadratmeter bis 7 cm tief ausgestochen. Anschliessend wird eine dünne Schicht Rasenerde oder Sand auf der Fläche verteilt.

Dieses sogenannte Topdressing verbessert die Keimbedingungen und gleicht kleinere Unebenheiten aus. Doch auch hier wiegelt der Fachberater ab: «Ganz wichtig ist es zu unterscheiden, was keine Unterschiede bedeutet. Klassische Erden für das Topdressing werden mit 5 bis 10 l / m2 ausgebracht. Dieser Substratauftrag egalisiert kleinere Unebenheiten bis 2 cm und verbessert zudem die Keimbedingungen.» Anstelle eines Topdressings auf Basis von Erden könne man auch einen kalkarmen Rheinsand oder Quarzsand mit wenig Feinbestandteilen einsetzen. «Diese Sande bieten uns aber keine Vorteile für die Keimung der Rasengräser, da Sand schnell austrocknet. Sind grössere Unebenheiten vorhanden, empfiehlt es sich, ein grobkörniges, mineralisches Substrat mit ausreichend Wasserspeichervermögen einzubauen.»

Letzter Schritt: die Nachsaat

Die Rasenerde oder der Sand werden mit der Schaufel ausgebracht und gemeinsam mit den Erdzylindern, die beim Aerifizieren dem Boden entnommen wurden, verrieben. Dazu kann man einen umgedrehten Rasenrechnen oder ein Rasenrakel verwenden. Sind die feinen Krümel gleichmässig auf der Fläche verteilt, ist es Zeit für die Nachsaat. Damit das Saatgut guten Bodenkontakt erhält, wird die Fläche angedrückt oder leicht angewalzt. Düngen sollte man nur schwach oder sogar erst nach zweieinhalb Wochen – sonst stehen die Keimlinge in Konkurrenz zu den bestehenden Gräsern. Der erste Schnitt erfolgt, wenn die Gräser eine Höhe von 6 bis 8 cm erreicht haben.

Neuanlage und Bewässerung

Ist die Grasnarbe grossflächig abgestorben, kann eine komplette Neuanlage sinnvoller sein als eine Renovation. Hier rät der Rasenexperte, ein erfahrenes Fachunternehmen herbeizuziehen. «Der ganze Prozess – die Rasennarbe (Filz) abtragen, Bodenverbesserer einfräsen, den Boden rückverfestigen, Qualitätssaatgut einarbeiten und die abschliessende Düngung mit Rasendünger – ist sehr komplex. Unterlaufen in einem der Schritte Fehler, wird die Enttäuschung gross sein.»

Besondere Aufmerksamkeit verlangt nach der Aussaat die Bewässerung, denn die Saat muss während 14 Tagen permanent feucht gehalten werden. «Die Bewässerung bei einer Neusaat erfolgt je nach Witterung drei- bis fünfmal am Tag – der Boden darf nie austrocknen! Nach zwei Wochen kann man die Bewässerung schrittweise reduzieren. Danach sollte nicht mehr am Abend bewässert werden, um Rasenkrankheiten vorzubeugen.»

Entscheidend für einen dauerhaft robusten Rasen ist die Wahl der richtigen Gräser. «Wir empfehlen generell Qualitäts-Rasenmischungen, bestehend aus hochwertigsten Rasengräsern wie Englischem Raigras (Lolium perenne), Wiesenrispe (Poa pratensis) und Rotschwingel (Festuca rubra). Für schattige Standorte sind Rasenmischungen mit Lägerrispe (Poa supina) empfehlenswert. Diese Saatgutmischungen enthalten neueste Rasenzuchtgräser, sind sehr robust und ermöglichen über die ganze Saison einen ansprechenden und belastbaren Rasen.»