Tapeten erzählen Geschichten, schaffen Stimmungen und zeigen Charakter – von klassisch rekonstruierten historischen Entwürfen bis hin zu modern-abstrakten Statement-Wänden.
Natur im Grossformat
Einer der wichtigsten Tapetentrends dieses Jahres heisst XXL-Botanik. Tropische Blätter und grossflächige florale Arrangements holen die Natur direkt ins Zuhause. In einen tropischen Regenwald mit üppigen Pflanzen, Affen und Tukanen versetzt einen der Entwurf «Avalon» (2) aus der Kollektion MyHome 2027 des deutschen Herstellers Brillux. Auf Botanik im Grossformat setzt der italienische Hersteller Glamora in seiner Kollektion «Chapter XVI»: Bambusblätter zeigen sich in der Tapete «Yanagi» (7) als skulpturale Silhouetten, «Villa Reale» (8) entführt in einen traumhaften italienischen Garten, und das Dessin «Bomarzo» (9) kann selbst ein Badezimmer in eine üppige Oase verwandeln.
Florale Motive zeigen sich aber auch von ihrer leisen Seite. Die Kollektion «Nordic Feeling» (11) des deutschen Herstellers A.S. Création greift die klare Ästhetik skandinavischer Wohnkultur auf. Fein abgestimmte Blatt- und Blumenmuster auf hochwertigem Vlies bringen die Leichtigkeit der nordischen Natur in jedes Interieur. Eine ebenso natürliche Raumwirkung erzielen die botanischen Dessins der Kollektion «Dolce Vita» (4) des britischen Herstellers Perennials: Ranken, Granatäpfel sowie blühende Blumen- und Blattmotive, auf Papiergewebe gedruckt, sorgen für einen sanften, eleganten Look.
Die deutsche Tapetenmanufaktur Hembus wiederum entführt ins Rokoko. Mit der Tapete «Prinzessin Amalie» (10) rekonstruierten die Gestalter ein historisches Motiv aus dem Residenzschloss Arolsen.
Kunst an der Wand
Ein starkes Statement setzen Tapeten, die wie Kunstwerke wirken. Grossformatige Murals mit Landschaften, Himmeln oder weitläufigen Szenerien schaffen Tiefe und Atmosphäre. Beim italienischen Hersteller Spaghetti Wall hat der tosende Ozean seinen Auftritt (12): Unregelmässige Pinselstriche und Materialtexturen in Ozeanblau bringen Bewegung an die Wand. Abstrakter zeigt sich die Tapete aus der Kollektion «Palette Provençale» (13) der britischen Marke Designers Guild. Sie greift die Farben der südfranzösischen Landschaft auf, die bereits Künstler wie Cézanne inspirierten. Eine Hommage an Gärten und die Persönlichkeiten, die sie geprägt haben, ist die Kollektion «In the Garden» von Little Greene. Das lebendige, grossformatige Wandbild «Castle Garden» (1) zeigt die berühmten Gärten von Sissinghurst Castle in Kent, die von der Dichterin Vita Sackville-West angelegt wurden. In satten Farben inszeniert, lässt sich etwa ein Essplatz wie ein sommerlicher Gartenraum gestalten.
Auch Liberty führt ein Mural im Sortiment: «Prospect Mural» (14) ist ein Panorama aus stilisierten Bäumen, grafischen Wiesen und dahintreibenden Wolken, eingefasst von Blumen- und Paisley-Bordüren. Das Motiv ist eine Hommage an die Wiederbelebung traditioneller Landschaftsdarstellungen im Jugendstil durch das britische Designhaus in den 1960er-Jahren. Für die aktuelle Kollektion wurde das Design aufwendig neu gemalt und digital in die Gegenwart übersetzt.
Retro-Vibes und taktile Oberflächen
Retro-inspirierte Tapeten setzen 2026 markante Akzente. Grosse geometrische Formen und kontrastreiche Designs dominieren, Streifen behaupten dabei souverän ihren Platz. Der britische Hersteller Oakham interpretiert sie im Entwurf «Scion» (6) spielerisch und charmant in Küstenblau, Gerste, Rost und Kiefer.
Ein Revival erleben auch die ikonischen Muster der 1970er-Jahre. Beim italienischen Hersteller Wall & Déco greift ein Entwurf des Studios Salaris die Vibes der Seventies auf: Grossformatige abstrakte Figuren in Orange-, Blau- und Grüntönen prägen die Tapete «Ananke» (5). In derselben Kollektion, «Contemporary Wallpaper», zeigt sich ein weiterer Trend: Braun feiert sein Comeback. «Eclisse» (15), entworfen von Federico Peri, wird massgeschneidert für jede Wand gefertigt und auf einem organischen Bio-Vinyl-Substrat gedruckt. Auch terrakotta- und ockerfarbene geometrische Dessins erleben ein Revival – etwa im Entwurf «Terracina» (16) aus der neuen Kollektion von Glamora.
Taktile Tapeten sind derzeit besonders gefragt. Die Marburger Tapetenfabrik widmet diesem Bedürfnis nach Haptik eine eigene Kollektion. Art Director Felix Diener entwickelte mit «Craft» (17) strukturierte Tapeten, deren Herzstück ein Dessin ist, das Kork völlig neu interpretiert. Reste aus einer portugiesischen Manufaktur für Champagnerkorken erhalten dabei eine neue Bestimmung: Reines Korkgranulat wird auf eine feine Lehmschicht aufgetragen, die auf einem Vliesträger ruht. Die Kombination aus mineralischem Träger und natürlichem Granulat ist eine gestalterische Innovation – farbstabil, raumklimaregulierend, akustisch wirksam und angenehm in der Haptik. «Kork bringt seine eigene Sprache mit», sagt Diener. «Man muss ihm zuhören.»
Auch der britische Hersteller Perennials setzt auf haptische Wirkung. Die Wandbekleidung «Tierceron» (18) basiert auf handgebeiztem Intarsienholz und verleiht Räumen einen unverwechselbaren Charakter. Für eine dreidimensionale Tiefe sorgen zudem textile Strukturen: Rubelli präsentiert mit «Tonga Gold Wall» (19) und «Bali Gold Wall» (3) zwei Tapeten, die durch eine feine Schicht aus hellem Gold die Wände in ein neues Licht tauchen.
Ob botanisch, retro oder taktil – Tapeten sind 2026 mehr denn je ein Schlüssel zu individuellen Wohnwelten.























