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Wie man den Solarertrag maximal nutzen kann

Wer die Heizung und das Aufladen des E-Autos clever steuert und einen Stromspeicher integriert, kann den Eigenverbrauch der Solaranlage steigern. Das entlastet nicht nur das Netz, sondern bietet auch wirtschaftliche Vorteile.

von Remo Bürgi

Faktor Journalisten

In den vergangenen Jahren gab es an sonnigen Sommertagen am europäischen Strommarkt vermehrt Stunden mit sehr tiefen oder sogar negativen Preisen. Zurückzuführen war dieses Phänomen insbesondere auf die Photovoltaik, die während der Mittagsstunden hohe Ertragsspitzen produziert – auch in der Schweiz. Das ist für die Netzbetreiber eine Herausforderung, weil die Netze auf Stufe Quartier und Gemeinde an bestimmten Orten nicht darauf ausgelegt sind, hohe Strommengen aufzunehmen. Zudem stellt sich die Frage, was mit dem überschüssigen Strom geschehen soll, denn üblicherweise hat es auch in den Nachbarländern zu diesen Zeiten (mehr als) genug Strom – daher auch die sehr tiefen respektive negativen Preise.

Dennoch ist es keineswegs so, dass die Schweiz generell zu viel Solarstrom erzeugt. Betrachtet man das gesamte Jahr, bleibt die Inlandversorgung im Winter sowie in den Abendstunden auf flexible Speicher und Importe angewiesen, um die Stromnachfrage decken zu können. Es gibt also nach wie vor Bedarf, die Erträge der Photovoltaik, die als erneuerbare Energiequelle mit dem grössten Ausbaupotenzial in der Schweiz gilt, zu steigern. Im Fokus stehen dabei nicht zuletzt Anlagen, die auf die Winterstromproduktion ausgerichtet sind. Eine Herausforderung bei der Photovoltaik ist indes, dass Stromerträge und -verbräuche zeitlich oft nicht zusammenpassen. Die gute Nachricht für Eigentümerschaften von Solaranlagen: Sie haben es selbst in der Hand, Ertrag und Verbrauch optimal aufeinander abzustimmen. Davon profitieren sie finanziell und entlasten überdies das Stromnetz.

Tiefere Einspeisevergütung

Klar ist: Überschüssigen Solarstrom ins Netz einzuspeisen, ist je länger je weniger lukrativ. Einige Verteilnetzbetreiber bezahlen zwar mehr, als sie zwingend müssen, etwa für Solarstrom mit Herkunftsnachweis. Viele dürften sich aber an der seit Anfang 2026 geltenden Regelung orientieren, wonach sich die Vergütung am Referenzmarktpreis ausrichtet. Dieser wird vom Bundesamt für Energie vierteljährlich berechnet und kann teilweise nur noch wenige Rappen pro Kilowattstunde betragen. Obwohl für Anlagen mit einer Leistung bis 30 Kilowatt eine Minimalvergütung von 6 Rappen pro Kilowattstunde festgelegt wurde, reduzieren Eigentümerschaften, die viel Solarstrom ins Netz einspeisen, die Wirtschaftlichkeit ihrer Solaranlage und verlängern die Amortisationszeit.

Die Anfang 2026 eingeführte Regelung wird indes schon bald wieder geändert: Ab 2027 richtet sich die Vergütung nicht mehr nach dem vierteljährlichen Referenzmarktpreis, sondern nach dem stündlichen Marktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung. Damit sind theoretisch auch Negativpreise möglich – oder anders formuliert: Man muss den Betreiber dafür bezahlen, wenn man Strom ins Netz einspeist. Eigentümerschaften von Anlagen unter 150 Kilowatt erhalten jedoch weiterhin eine Minimalvergütung, die sich aus der Differenz zum Referenzmarktpreis ergibt. Mit dieser Regelung sollen Eigentümerschaften von Solaranlagen einen noch stärkeren Anreiz erhalten, ihren Solarstrom zu Zeiten mit tiefen Preisen direkt zu verbrauchen oder in einer Batterie zwischenzuspeichern, damit die Netze entlastet werden. Wer seine Solaranlage entsprechend steuert, kann also finanziell profitieren.

Verbraucher und Speicher

Direkt verbrauchen – wie gelingt das? Im Fokus stehen hier die grossen Stromverbraucher in den Gebäuden: Wärmepumpe, Warmwasserboiler und Elektroauto. Sofern vorhanden, haben diese den Vorteil, dass ihr Bedarf oft nicht zeitkritisch ist und sich dadurch auf den Ertrag der Solaranlage abstimmen lässt. Das muss man als Eigentümerin oder Eigentümer nicht manuell machen, sondern kann die Steuerung einem Energiemanagementsystem überlassen. Dieses koordiniert automatisch den Ertrag der Solaranlage mit der Stromversorgung des Haushalts sowie der grossen Verbraucher. Dabei ist es auch möglich, den verschiedenen Verbrauchern unterschiedliche Prioritäten zuzuweisen.

Eine weitere Möglichkeit zur Erhöhung des Eigenverbrauchs ist die Anschaffung eines Batteriespeichers. Dieser erlaubt es, den Ertrag vom Verbrauch zu entkoppeln – will heissen: Statt ihn ins Netz einzuspeisen, wird der Solarstrom zwischengespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt verbraucht. Damit benötigt man auch weniger Netzstrom, der üblicherweise teurer ist als der Strom aus dem Batteriespeicher. Weil die Anschaffungskosten für solche Speicher in den vergangenen Jahren stark gesunken sind, lassen sie sich mittlerweile leichter wirtschaftlich betreiben. Die Solaranlage wird damit zunehmend als System gedacht, in dem Erzeugung, Speicher und Steuerung der grossen Verbraucher zusammenspielen.

Strom lokal vermarkten

Bleibt nach der Versorgung der grossen Verbraucher und des Speichers noch Solarstrom übrig – was an einem sonnigen Sommertag passieren kann –, kann ein Stromverbund eine weitere Möglichkeit sein, den Eigenverbrauch zu erhöhen. Mit einem «Zusammenschluss zum Eigenverbrauch» (ZEV) oder einer «Lokalen Elektrizitätsgemeinschaft» (LEG) ist es möglich, den Solarstrom an direkte Nachbarn respektive in der ganzen Gemeinde zu verkaufen. So kann er lokal genutzt werden – und die Entschädigung ist üblicherweise höher, als wenn man den Strom einfach ins Netz einspeist. Details zu den Stromverbunden bietet die Website www.lokalerstrom.ch.

Bau oder Ausbau prüfen

Wer noch keine Solaranlage installiert hat oder herausfinden möchte, ob die Vergrösserung einer bestehenden Anlage sinnvoll ist, hat mit dem Solarrechner von EnergieSchweiz (siehe Kasten) ein hilfreiches Tool zur Hand. Der Rechner zeigt nach der Eingabe einiger weniger Daten, welche Dach- oder Fassadenseiten sich für eine Solaranlage eignen und mit welchen Erträgen man rechnen kann. Auch der Eigenverbrauchsanteil, die Amortisationsdauer und weitere wesentliche Kennzahlen sind Teil der Berechnung.