Meier meint

Planschen mit dem Staat

von Markus Meier

Direktor HEV Schweiz

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Nicht alles Wasser läuft sprichwörtlich den Rhein hinunter. Das lässt sich zumindest vermuten, wenn in einer Mitteilung zu Lesen steht, dass die Stadt Basel am Rheinknie von Mai bis September in öffentlichen Anlagen 19 Planschbecken unterhält. Das Planschen wird ja erst möglich, wenn diese Becken befüllt sind – mit Wasser eben. Zuständig hierfür ist die Basler Stadtgärtnerei. Sie gliedert sich in sechs Organisationsbereiche, die von Grünplanung, Grünflächenunterhalt, Betriebswirtschaft und Logistik über Freizeitgärten und Gartenberatung bis hin zu den Friedhöfen reichen. Somit passt denn auch die tägliche Reinigung und Befüllung der 19 öffentlichen Planschbecken mit chlorfreiem Frischwasser bestens in ihr Angebots-Portfolio.

Gemäss Stadtgärtnerei könne aber trotz der regelmässigen täglichen Reinigung die Wasserqualität durch die Nutzung beeinträchtigt werden. Deshalb weisen mit «Gemeinsam für sauberes Wasser in den Planschbecken» betitelte Plakate bei den Planschbecken auf die richtigen Verhaltensweisen für sauberes Wasser hin. Bei der Betrachtung dieser Plakate staunt der Laie – und der Fachmann wundert sich. Im Wasser nicht erlaubt sind Fortbewegungsmittel wie beispielsweise Velos oder Trotti-Scooter, das Betreten mit Strassenschuhen und Kleidung oder Windeln, das Waschen von Kleidern und das Baden von Hunden. Und zum Trinken sei das Wasser auch nicht geeignet. Gestattet hingegen sind Badekleider. Letzteres erstaunt nicht weiter, sollen doch die Becken zum Baden und Planschen genutzt werden.

Beispiele wie dieses bringen mich immer wieder von neuem zur Frage, wie weit es unsere Gesellschaft mittlerweile gebracht hat. Wir haben immer mehr Bildungseinrichtungen und immer bessere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Wir fliegen nicht nur zum Mond und zurück, sondern mittlerweile gar um ihn herum. Und wir bauen Computer, Roboter und praktisch täglich weiter fortschreitende künstliche Intelligenz. Mit der natürlichen Intelligenz hingegen scheint es sich demgegenüber je länger desto mehr umgekehrt proportional zu verhalten. Wenn es in unserem immer noch überfürsorglicheren «Behütungsstaat» mit Rundumversorgung und Vollkasko-Mentalität so weitergeht, schwant mir nichts Gutes. Wäre es nicht gescheiter, statt sich alles bis zum letzten «Vorsetzen und Vorkauen» zu lassen, wieder mehr das Selberdenken, das Selbermachen und die Eigenverantwortung zu fördern?

Die Planschbecken sollen in erster Linie zum Baden und Planschen genutzt werden.